Eintrag 016
Tag 104, Dienstag, 6.9.2016
Nice

HURRA – ANGEKOMMEN!

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Wir wanderten entlang der Zufahrtstraße von Norden her durch schmutziges Industriegebiet, bis sich nach und nach die Stadt in eines der Côte Azur würdigen Aussehen verwandelte. Durch die bereits belebte Altstadt bis über die Promenade hin zum Meeresstrand war es dann nur mehr ein Katzensprung. Genau die Promenade, auf der vor nicht all zu langer Zeit viele Menschen ihr Leben lassen mussten. Freud und Leid liegen oft sehr nahe beieinander….

Heute war auf jeden Fall Freude angesagt. So gegen 11 Uhr waren wir am Stand angekommen. Wir schlüpften in die T-Shirts mit der Aufschrift „Linz – Nice  Peter Tobisch geht“, die Christian als Überraschung heute morgen aus dem Rucksack packte. Auf der Rückseite mit 90.000 hm und 1700 Km beschriftet. (In Summe waren es aber, Gott sei dank, nicht ganz so viel. Genaue Daten dann Zuhause).
Das Meer war herrlich blau und sauber, hatte zu allem auch noch die Idealtemperatur von ca. 23°!
Einzig der grobe Schotter schmerzte ein wenig. Aber, ab ins erfrischende Nass!!
Fotos, mit und ohne Schuhe, Fotos die Badegäste aus Kanada für uns machten und beeindruckt waren von unserer Leistung. Fotos allein mit mir und mit Christian.

Hmmm, aber so richtig Stimmung kam in mir nicht auf. Erst später als die ersten WhatsApp Nachrichten hin und her schwirrten, die die Glückwünsche für unsere, meine Leistung überbrachten, wurde mir bewusst: „Das gilt mir! Ich bin tatsächlich von Linz nach Nizza gegangen.“ Über unzählige Berge und entlang vieler Täler. Mit und ohne Blasen an den Füßen. Trotz eines Durchhängers im Aostatal, bei dem mich die Schmerzen lange nicht auslassen wollten.

Losgezogen am 26.5.2016 in Traun bei Linz.
Durch die Bundesländer OÖ., Stmk., Salzburg, Kärnten und Osttirol.
Ich durchquerte Südtirol, die Lombardei, hab zweimal kurz in der Schweiz vorbeigeschaut, dann das nördliche Piemont mit seinen Walserwege gestreift, beim Monte Rosa ging’s dann ins Aostatal und beim Gran Paradiso wieder zurück ins Piemont.
Die letzte Etappe von der Grenze Italiens über die Seealpe bis Nizza, nahmen wir dann auf Grund unserer guten Kondition in wenigen Tagen. Bei aller Liebe zur Landschaft, aber irgend wann möchte man einfach nur mehr ankommen.

Angekommen bin ich irgend wie noch nicht ganz. Erst jetzt wo ich diese Zeilen schreibe wird mir klar, die Wanderung ist zu Ende. Es gibt morgen keine Etappe. Kein Schwitzen und Schnaufen beim hinaufschrauben auf irgend eine Passhöhe.
Ankommen, entspannen, loslassen und genießen. Das steht heute und morgen auf unserem Programm.
Neue Ziele gibt es bereits in Gedanken. Andere, ganz andere. So etwas ähnliches werde ich sicher nicht mehr machen.
Jemand hat vor der Tour zu mir gesagt: „Wirst sehen, nachher ist alles anders!“ Dem kann ich nicht zustimmen. Ich fühle mich als der Gleiche wie vorher. Mir ist nur eines ganz klar bewusst geworden: Man kann sich seine Ziele schon ordentlich hoch stecken. Das macht das Leben spannend, aufregend und ja – lebenswert. Beruflich, sportlich, sozial wie mental. Nur nicht aufgeben! Wenn du zu deinem Projekt, zu deinem Ziel, stehst und es dann wirklich umsetzten möchtest, dann heißt es „dran bleiben“.

Nun ist es geschafft und ich kann in meiner Erinnerung jeden einzelnen Tag dieser Tour, in chronologischer Folge nachvollziehen. Ich könnte diesen Weg ohne Probleme wieder finden. Namen habe ich mir aber nur sehr wenige gemerkt. Mögen die vielen schönen Bilder im Kopf lange nicht verblassen.

Einmal mehr möchte ich mich hier bei allen die mich unterstützt haben bedanken.
Zu allererst bei meiner Frau Regine und ihren 4 Mädels!
Bei allen Freunden die mich begleitet und unterstützt haben!
Allen privaten Unterstützern und den Firmensponsoren sei gedankt!

Ich werde aus all den vielen Fotos meiner Wanderung einen Vortrag zusammen stellen. Zeitlich kann ich mich da noch nicht festlegen. Entweder noch im Dezember oder eher Anfang nächstes Jahr. Ihr seid schon jetzt herzlich dazu eingeladen.

1000 km musst ich gehn, um endlich in mein Innerstes zu sehn,
bis alle Schichten abgegangen und ich von Neuem konnt beginnen.“
(Irgend wo auf einem Berg unserer schönen Alpen)

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Euer Peter

 

Eintrag 015
Tag 87 – 94, Sa. 27.08.2016
Etappen Susa – Okzitanien – Campo Base

Tag 87:
Gut erholt und gestärkt vom üppigen Essen machten wir uns am Sonntag bei leichtem Regen Richtung Frais auf den Weg. Wir nahmen die unbekanntere Variante auf der Landkarte auf uns, da die Unterkünfte auf dem GTA für die Etappe nach Susa bereits ausgebucht waren.
Egal, es war wieder mal an der Zeit die Strecke selbst zu planen. In zwei Tagen sollten wir wieder auf den GTA treffen.
Ohne große Probleme erreichten wir den auf 1600 m gelegenen Ort Frais. Nicht ohne vorher telefonisch reserviert zu haben.

Tag 88 und 89:
Zwei lange Etappen standen auf dem Programm, wobei die erste die leichtere sein sollte. Aber schon beim Aufstieg auf den Pass war der Weg nur rudimentär vorhanden und so kam es, dass wir uns nach fast vier Stunden und davon die letzten zwei in weglosem Gelände, auf der Passhöhe westlich der geplanten Route wieder fanden.
Oben entdeckten wir einen alten Militärweg, der uns in 20 Minuten zum eigentlichen Pass führte. Wir bewegten uns immer zwischen 2500 und 2600 m Höhe. Beim Abstieg das gleiche Spiel. Nur die Hälfte des langen Abstieges konnten wir einem Weg folgen.
Plötzlich standen wir vor einem sehr steilen, mit Dornengestrüpp bewachsenen langen Hang, den wir wohl oder übel in engen Zickzacklinien und ohne auf Schlangen oder ähnliches Getier zu achten, absteigen mussten. Das kostete extrem viel Kraft und ging uns alten Männern auf die Kniegelenke.

Das Wetter war endlich wieder einmal super und so konnten wir uns die nötige Zeit nehmen, um den Weg zum Dorf Balboutet (1560 m) zu genießen. Die letzten beiden Kilometer ging es dann flott auf der Straße nach Usseaux. Ein echt sehenswertes kleines Schmuckkästchen von Dorf. Schön an einem Hang gelegen und ausschließlich mit Häusern im traditionellen Baustil errichtet. Steinmauern, schöne Holzbalkone und natürliche Dächer mit Steinplatten gedeckt.

In unserer Unterkunft trafen wir zu ersten Mal andere Wanderer, die auf dem GTA unterwegs waren. Eine 10-er Gruppe aus der Schweiz und ein Pärchen aus Deutschland, mit einem Durchschnittsalter von ca. 50 bis 65 Jahren. Was sagt uns das? Ich nehme an, dass die Jungen wahrscheinlich eher an Gipfelbesteigungen als an Weitwanderungen interessiert sind.

In der Unterkunft, einem sehr traditionell eingerichtetem Posto Tappa (entspricht dem deutschen Begriff „Haltestelle“), würden wir dann mit einem ordentlichen Abendessen bekocht.
Da am nächsten Tag eine 7 – 8 Stunden-Tour mit über 1600 hm bergauf und fast 1450 hm wieder runter vor uns lag und das Ganze mit einer Wegstrecke von 20 km garniert war, hieß es für uns gleich nach dieser typischen Völlerei ins Bett.

Am nächsten Tag schafften wir den Aufstieg mit nur wenigen Trinkpausen bei strahlendem Wetter.
Oben auf 2750 m konnten wir weit in die Richtung zurück blicken, aus der wir kamen. Der Gletscher bedeckte Gran Paradiso ragte zwischen zwei felsigen Berggipfeln hervor. Beim Abstieg hielten wir oft inne, weil uns diese Berglandschaft all das bot, was man sich erträumt. Wasserfälle, steile Wiesenhänge, Felsen und von Menschen unberührte Täler.

Beim Bergaufgehen kann ich mich oft für längere Zeit in eine Art Trance versetzen. Bei einem Schritt einatmen und beim nächsten ausatmen, einatmen, Schritt, ausatmen, Schritt, immer wieder. So kann ich viele Höhenmeter trotz meines Lieblings-Wilson auf dem Rücken bewältigen. Oder ich suche mir im Geiste ein Thema und denke mich bis ins kleinste Detail hinein. So vergeht oft eine halbe Stunde und dann bin ich über die gewonnene Höhe erstaunt, wenn ich wieder bewusst einen Rundblick mache.

Mr. Wilson wird, so wie ich, immer schlanker. Ihm habe ich ja vor Tagen eine strenge Abmagerungskur verordnet. Jeden Tag fliegt wieder ein Teil aus dem Sack. Als ich von Linz losging, waren drei Außentaschen am Rucksack befestigt. Seit heute hängt keine einzige mehr dran! Ja, diese Gewichtsreduktion soll noch ein paar Tage weiter gehen. Was ich wirklich benötige, wird immer weniger.

Tag 90:
Christian und ich haben die restliche Route bis Nizza noch genauer durchgeplant und sind zu beider großen Freude auf weniger Gehtage gekommen als bisher geglaubt.
Heute, nach einer langsamen und gemütlichen Genusswanderung in einfachem Gelände, haben wir noch 17 Gehtage vor uns. Der Wetterbericht ist für die nächsten 5 – 6 Tage sehr gut und unsere körperliche Verfassung ist super.
Man kann also bald von einem Finish sprechen!
Wir haben laut diesem Plan 4 große Etappen mit über 7 Stunden Gehzeit und der Rest pendelt so zwischen 5 und 7 Stunden.
Die Freude auf den Augenblick, wo ich von einem Berg aus das Mittelmeer sehen kann bzw. bei der Ankunft in Nizza mit samt den Bergschuhen ins Wasser springen werde, wird von Tag zu Tag größer.
Aber ich freue mich noch viel mehr darauf, wieder Zuhause zu sein. Mir fehlt die Familie und vor allem Regine.
Ich habe auch schon Sehnsucht nach meiner Arbeit – Körpertherapie mit Shiatsu und Watsu! nach dem österreichischen Essen und die Hygiene. Nach meinem gemütlichen eigenen Bett und auf täglich frische Wäsche. Wenn man diese für uns alltäglichen, gewohnten Dinge für längere Zeit nicht hat, lernt man sie erst wieder so richtig zu schätzen. Eine eigenes Bad – wie geil ist das denn!

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 Tage 91 bis 94:
Der Himmel blieb nahezu wolkenlos und unserer körperliche Verfassung wird immer besser – keine Schmerzen mehr – die Vorfreude pumpt das Adrenalin in unsere Körper.
Wir arbeiten uns von einem Höhepunkt zum nächsten. Der Mont Viso vor uns. Mit seinen knapp 3900 m überragt er die ihn umgebenden Gipfel um mindesten 350 hm. Er ist ein Anziehungspunkt für Italiener, Franzosen und auch einige Deutsche. Landsmann habe ich auf der gesamten Tour erst einen getroffen.
Machen wir Österreicher lieber immer im selben Gebiet unserer Wanderungen? Italien ist, wie schon mehrfach erwähnt, das Alpenland schlechthin. Das bestätigte sich in den letzten Tagen immer mehr. Wahnsinn, was die Natur hier zu bieten hat. Ich bin von dieser Bergwelt schlichtweg überwältigt!

Zur Zeit ist natürlich Hochsaison und wir müssen unsere Unterkünfte immer 2 – 3 Tage im Voraus telefonisch buchen.
Da der GTA auch ein sehr beliebtes Ausflugsziel für die Turiner ist, sind die Betten bald belegt. Unsere Quartiere sind jedes Mal ein Erlebnis der Sonderklasse. Mal ist es die Aussicht, mal das gute Abendmahl, dann das Quartier als solches. Steinhäuser in kleinen Siedlungen, Refugi auf Anhöhen oder hier in Campo Base eine Mischung aus Campingplatz und einfachen Unterkünften in 6-er Lagern. Die Preise sind ebenso unterschiedlich wie das Essen und die hygienischen Bedingungen.

Je näher das Ziel rückt, um so schneller werden wir. Nicht unbedingt beim Tempo, nein, wir straffen die endlosen Windungen des GTA und kürzen dadurch geschickt für uns sinnlose Höhenmeter und Kilometer ab. So können wir manches mal zwei GTA-Etappen in einem schaffen. Und bei all meiner Liebe zu den Bergen, ich muss nicht jeden Pass und jeden Bergsee besichtigen.

Das Verarbeiten aller Erlebnisse und Eindrücke in den letzten Wochen und Monaten wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen.
Die Alpen jetzt mit den wirklich großen Gebirgszügen der Welt auf anderen Kontinenten zu vergleichen wäre nicht fair. Sie sind einzigartig, unglaublich schön und bieten noch viele naturbelassene Bereiche. Das ist jetzt aber schon ein Abschlussthema, welches ich mir als Nachwort für Zuhause aufheben möchte.

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Jetzt ist der Weg frei für Emotionen. Ich koste jeden Schritt aus, auch mit meinem erschlankten Wilson auf dem Rücken. Mit Christian teile ich die vielen schönen Momente. Wir reden oft während der Stunden des Aufstiegs kaum mehr als ein paar Sätze. Man spürt Schritt für Schritt gemeinsam die Landschaft, die Sonne und den Wind. Mal kreuzt ein Murmeltier unseren Weg, mal eine Gams mit ihrem Jungen. Auf einmal kreisen fünf Raubvögel über unseren Köpfen, dann wieder taucht wie aus dem Nichts eine Reh auf.

Wir genießen das Vorankommen und freuen uns schon riesig auf die Ankunft in Nizza!
Mögen uns die Alpen noch lange in dieser Natürlichkeit und Unberührtheit erhalten bleiben!

 

Eintrag 014
Tag 71 – 86, So. 21.08.2016, Alagne
Etappen Valtourneche – Aosta – Susa
Überschreitung der 1000 km-Grenze

Tag 71: Rasttag
Die mittlerweile zur Routine gewordene Normalität eines Rasttages – nix Besonderes zu berichten.

Tag 72 auf das Rifugio Barmasse
Wie wählten den Weitwanderweg N1 von Aosta, weil wir in den letzten beiden Tagen damit gute Erfahrung gemacht hatten. Immer ausreichend markiert und immer zwischen einer Höhe von 1400 bis 2800. Es stand nur eine kurze Tour von 2 1/2 Std. auf dem Programm, zumal auch noch schlechtes Wette angesagt war. Schon um 12 h kehrten wir in die Hütte ein.
Kaum saßen wir in der warmen Stube, verstärket sich der Wind langsam zu einem Sturm. Leichter Regen und eine ordentliche Abkühlung machten es draußen unbequem.
Mit Lesen und Schreiben vertrieben wir uns die restliche Zeit.

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Tag 73:
Rif. Barmasse 2000 – Rif. Cerny 2600
Eine sehr lange und auch anspruchsvolle (Tor)Tour, die uns zu Beginn einen imposanten Blick auf das Matterhorn bescherte. Gefolgt von vielen Auf und Abs, bis wir endlich den ersehnten Paß auf 2778 m erreichten. Genau zur gleichen Zeit erreichte von der anderen Seite kommend, eine 19-köpfige französische Wandergruppe, bestehend aus etwas älteren Menschen den Pass. Lautes Geschnatter, kaum jemand grüßte und wenn dann natürlich auf französisch.
Zwei Männer pinkelten in kaum 10 Meter Abstand von uns. Auf die Aufforderung eines Mitgliedes der Gruppe, etwas leiser zu sein – er musste irgend so etwas wie „Schöne Natür“ und „Psssst“ gesagt haben – würde es unter den Damen aber noch lauter.
Wir rasteten ca. 30 min und knabberten lustlos an unseren Vorräten – Oropax wären angebracht gewesen.

Die Aussicht auf den bevorstehenden Weg lies nichts Gutes erahnen. Es bewahrheitete sich. Das gleiche Spiel mit bergauf und bergab, aber viel steiler als zuvor.
Ein Abschnitt mit ca. 2-3 km war zudem auch noch sehr aussätzig. Mit Wilson auf dem Rücken kam ich mir wie ein unbeweglicher Bulldozer vor. Stolpern war definitiv nicht erlaubt.
Auf der Hütte angekommen, waren erstmals einige Gäste zur Übernachtung anwesend. War ich bis jetzt gar nicht gewöhnt.
Eine sehr einfache und spartanische Schutzhütte auf über 2600 m. Wir genossen den Abend und die Morgenstimmung und schossen Fotos am laufenden Band.

Tag 74: 
Meine Füße und Beine sind angeschlagen. Beim Boxen würde man sagen „angezählt“. Bei 9 betrat ich den Ring. Will heißen, ich kam nach dem sehr spärlichen und ausschließlich süßen Frühstück kaum in die Gänge. Doch dann begann der innere Motor doch gleichmäßig zu arbeiten und bergauf geht es besser als bergab. Nach 2 1/2 Std. saßen wir auf dem höchsten Punkt des Tages (2780 m). Von da an begann ein langer und anfangs sehr steiler Abstieg ins Tal.
Tagesdaten: 575 rauf und 1830 runter. 14,5 km und strahlender Sonnenschein.
Am Pass sahen wir erstmals den Mont Blanc. Die Aussicht konnten wir aber nur kurz genießen, da plötzlich ein sehr kalter Wind wehte.

Beim Abstieg wurden meine am Tag zuvor beginnenden Schmerzen in den Beinen mehr und mehr. Rechtes Fußgewölbe, gesamte linke Wade, und Zehenballen sowie ein Ziehen in der linken Lendenwirbelsäule. Die Erholungspausen mussten mit der Zunahme der Schmerzen immer länger werden. Kurz vor Oyace (1360 m), wo wir ein Zimmer reserviert hatten, war noch ein kurzer aber sehr steiler Anstieg zu bewältigen. Ich schleppte mich fluchend am Rucksack zerrend und auf meine Salewastöcke gestützt Meter um Meter empor.
Ich musste traurig feststellen, dass Schmerzen nicht nur Schmerzen bereiten, sondern auf Dauer sehr viel Energie kosten.

Da konnte ich mich auch nicht über die durchschrittene 1000 km Grenze freuen (Trotzdem eine fette Eintragung im Tagebuch wert!).

Eine dunkle Vorahnung befiel mich und lies keine Leichtigkeit und Freude aufkommen.
Christian versuchte Normalität in den Abend zu bringen, was ihm zum guten Schluss auch noch gelang.

Tag 75:
7.30 Frühstück! Ich humple die 2 Stockwerke runter zum dürftigen italienischen Frühstück.
Wir wollen den Versuch starten zu Fuß bis Aosta zu gelangen.
Der ausgewähle Wanderweg zum 6 km entfernten Ort erwies sich als Rohrkrepierer und so standen wir nach 1,5 km statt 150m tiefer um 150m höher als geplant.
Alles wieder retour und mein gesamter Bewegungsapparat schrie STOPP! – Meine Beine, Füße, Kreuz, Wirbelsäule, Muskeln und Sehnen wollten nicht mehr gehen.
Ich habe – ganz innovativ – den Schaukelstuhlgang entwickelt, um möglichst um meine Beschwerden herum wackeln zu können. Aber in Valtourneche war endgültig Schluss!

War`s das jetzt? Wie konnte das sein! Wie konnte ich innerhalb von 3 Tagen so verfallen?!?

Zuerst einmal einen Espresso-Macciato caldo! Dann in die pralle Mittagssonne stellen und Daumen raushalten. Nach 20 min erbarmte sich eine nette Italienerin und nahm uns an den Stadtrand von Aosta mit.
Auch hier hatten wir bereits vorreservierte Zimmer und fanden 1,5 km westlich von Aosta unser Hotel.
Rucksack in`s Eck, duschen, Tablette nehmen, einschmieren, massieren und tapen war angesagt.
Dann schlenderten wir in die Fußgängerzohne von Aosta. Es war mir kaum möglich ordentlich zu gehen. Eine Müdigkeit übermannte mich und es half auch kein gute italienischer Kaffee mehr um mich wieder fitter zu machen.
Was war los mit mir? Woher all diese Beschwerden? Grande Frustratione!!! Wie soll das weiter gehen?
Ich kann die letzte Etappe bis zum Besuch unserer Frauen nicht mehr gehen.
OK, wir werden den Bus nehmen um ins 16 km entfernte Arvier zu gelangen.
An Familie und Freunde schrieb ich erstmals vorsichtig von einem mögliche Ende meiner Weitwanderung. Aber im Hinterkopf waren ganz andere Gedanken: Summa Summarum kann ich 5 Tage pausieren. 4 davon habe ich mir bereits genehmigt. Die Altstadt von Aosta nahm ich nicht wahr, nicht weil sie nichts zu bieten hatte, nein, ich war zu sehr mit mir beschäftigt:
„Jetzt, wo ich 1015 km und 42.000hm geschafft hatte, steht plötzlich eine große Unbekannte im Raum. Erzwingen kann man in so einer Situation nichts. Der Samstag oder der Sonntag werden aufzeigen, ob mein Körper fähig ist, sich bis dahin zu regenerieren.
Geht es so einigermaßen, dann werde ich gemeinsam mit Christian über den nächsten Paß zum Weitwanderweg GTA wandern. Beim Abstieg mit 1500hm wird es sich zeigen, wie weit ich wieder mobil bin und die Schmerzen aus zu halten sind.
Von dort gibt es eine Busverbindung nach Turin, wo uns unsere Damen noch abholen könnten, bevor sie wieder nach Hause fahren würden.“

Tage 76, 77, 78, 79:

Diese Tage standen ganz im Zeichen des Kurzbesuches von Regine und Gerti.
Wir besichtigten mit dem Auto das Aostatal bis Courmayeur am Fuße des Monte Bianco (Mont Blanc, 4810). Wie schon erwähnt, Aosta ist zwar eine der kleinsten Regionen Italiens, kann aber bezüglich Bergwelt ordentlich was bieten. Umringt von den höchsten Bergen der Alpen konnte es seine traditionellen Lebensweisen bis in die Neuzeit erhalten. Man spricht Italienisch, Französisch und einen Dialekt der sich aus beiden Sprachen zusammen setzt.
Meine Beine erholten sich nur sehr langsam und mir war lange nicht klar, ob es weiter geht. Ich hatte mich zwischenzeitlich auch schon mit dem Ende der Tour abgefunden.

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Tag 80:
Es geht wieder los. – Ich wollte es noch einmal wissen!
Der Rucksack ist gepackt und unsere Damen brachten uns nach Le Breuil, zum Fuße des Gran Paradiso mit gleichnamigen Nationalpark .
Ein riesiger Parkplatz, besetzt mit den Autos von lauter wanderlustigen Leuten erwartete uns am Ende dieses 20 km langen Taleinschnittes. Zu Viert machten wir uns auf den Weg. Nach gut einer Stunde Gehzeit und einem Abschiedspicknick kam der große, gefühlsbetonte Abschied von unseren Frauen.
Oben am Pass (2650 m) angekommen, trauten wir unseren Augen nicht. Da eine Straße von Süden hier herauf führt, kann man sich vorstellen was da oben los war. Man muss auch solche Momente ruhig und gelassen hinnehmen können.
Der Abstieg ins Tal entschädigte uns mit tollen Ausblicken über eine faszinierende Bergszenerie.

Tage 81 – 84:
Wir folgen ab hier den Weitwanderweg GTA, den wir vor ca. 10 Tagen verlassen hatten und ins Aostagebiet gewechselt hatten.
Die Tage mit ungetrübtem Sonnenschein neigten sich dem Ende zu.
Es waren 3 beeindruckende aber in Summe, sehr anstrengende Wandertage.
Wir waren zwischen 6,5 und 7,5 Stunden unterwegs und machten kaum Pausen, da sich das Wetter gegen 13h immer mehr verschlechterte.
Wir hatten aber in Summe das Glück der Tüchtigen auf unserer Seite und wurden nur einmal ein bisschen nass. Die Gewitter kamen auch immer erst so gegen 17h.
Mein Körper, im speziellen meine Beine, trieben mit mir täglich das gleiche Spiel. Immer am Morgen hat man das Gefühl, „das geht heute sicher nicht“ – aber dann, nach einiger Gehzeit läuft der Motor mit ein bisschen Stottern, aber er läuft, bzw. geht, und geht, und geht.
Beide haben wir unsere Wehwehchen zu beklagen. Ich glaube in unserem Alter, bei so einer Tour und mit den netten, fetten Rucksäcken am Buckel, würde wahrscheinlich jeder jammern.

Interessant sind die Dörfer in denen wir übernachten. Irgend wie erscheinen sie alle etwas heruntergewirtschaftet, etwas düster, aber voll mit italienischen Touristen. Wir fragen uns oft, was die hier machen. Wahrscheinlich entfliehen Sie der Sommerhitze der Poebene, Mailand oder Turin. Von 13 bis 15h wird gegessen, dann geschlafen. Um 18 h geht man, meisten mit Hunden an der Leine, die 600 m lange Dorfstraße rauf und runter und dann, ja dann wartet man auf das Cena. Abendessen von 19.30 bis 21:00h mit mind. 4 – 5 Gängen. Ich komme mir manches mal vor wie in einem alten Fellini-Film. Und täglich grüßt das Murmeltier.

Auf den Bergen sind wir aber die meiste Zeit komplett alleine. Auch von den Weitwanderern am GTA haben wir noch keinen gesehen.
Einmal, beim „Einlaufen“ ins Dorf, wurden wir gefragt, ob wir aus Russland seien….?
Aber eines muss ich noch hinzufügen – freundlich sind alle hier. Da kann sich so mancher durchschnittliche, grantelnde Österreicher was abschauen.
Im Service ist man stets um unser Wohl bemüht. Wenn wir auch nicht immer alles richtig verstehen, egal, es fühlt sich gut an.

Tag 85:
Ein Rekordtag! Wir brachen vom Refugio Vulpot um 7.30 auf. Der Wetterbericht sagte gegen Nachmittag Regen u Gewitter voraus. Wie hatte uns die ganz normale Etappe laut Wanderführer ausgesucht und uns standen ca. 5 Std. Gehzeit bevor. Nach gut 2 Std. erreichten wir den Pass auf ca. 2550 m Höhe. Wir tranken Tee im etwas tiefer gelegenen Refugio, das ein alter gehbehinderter Mann betreibt. Hier sah alles sehr einsam aus. Auch sein kleiner Hund hatte eine Behinderung am Vorderlauf. Irgendwie passe ich hier dazu, es erinnerte mich an meinen rechten Fuß – aber das will rasch verdrängt sein.

Kaum waren wir wieder auf dem Weg, bot sich uns eine tolle Aussicht in das breite, von West nach Ost verlaufende Susatal. Wir machten nur kurze Trink- und Fotopausen, da die Bewölkung vom alles bestimmenden Ricciomelone (3550 m) ausgehend ständig zunahm.
Ein paar Tropfen trafen uns just in dem Moment, als wir den Weg kurz verfehlt hatten.
Vorbei ging es an steinernen Viehhütten, Schafherden und einer Alm. Die letzten km verlief der Weg dann im Wald stätig bergab bis wir unser Ziel, das Refugio Il Truck erreichten. Der beständige Wind ließ uns nicht lange auf der an sich gemütlichen Terasse sitzen. Unter uns lockte die kleine Gebietshauptstadt Susa (ca. 6000 EW).
Wollen wir die 1200 hm noch absteigen? Warum eigentlich nicht. Wir zahlten und machten uns auf zum langen Abstieg.
In Summe bewältigten wir vom Pass bis Susa 2180hm bergab. Das geht natürlich in die Knochen und Gelenke. Da sich die Wettersituation gebessert hatte, liesen wir uns viel Zeit. Interessant war die immer üppiger werdende Vegetation. Zuerst Lärchen und Kiefernwälder die langsam von den verschiedensten Laubbäumen abgelöst wurden.
Der Blick ins Tal zeigte uns wieviel wir noch absteigen mussten. 8 1/2 Stunden waren wir in Summe unterwegs. Eine sehr gute Pizza und ein Vino de la Casa rundeten den Tag angenehm am.

Tag 86: Susa, Rasttag
Wie angenehm, kein baldiges Aufstehen. Kein Blick auf das Wetter. Einfach nur aufstehen und das sehr üppige Frühstück genießen.

Vormittags verbrachten wir mit der Besichtigung der alten Römerstadt.
Das Susatal trennt geografisch die Grajischen Alpen von den Cottischen Alpen. Das breite Tal war schon immer ein wichtiger Alpentransit. Viele große Heeresführer zogen durch diese Gegend. Augustus, Karl d. Große, Napoleon und Hannibal, aber auch viele Pilger, Schmuggler und Partisanen folgten diesem Talverlauf zwischen Frankreich u Italien. Die Gegend wurde lange von den Waldensern bestimmt. Eine Evangelische Glaubensgemeinschaft, lange die einzige in Italien, die der sogenannte okzitanische Sprachgruppe angehörten, ist hier angesiedelt.
Kurz und gut, Susa ist allemal einen Rasttag wert.

Meine Einstellung hat sich jetzt durchaus wieder ins Positive gedreht. 23 Gehtage trennen uns jetzt noch von Nizza. Im Verhältnis wenige Kilometer, dafür doch viele Höhenmeter. Mein Vorsatz zur Zeit: Jeden Tag irgend etwas aus meinem Rucksack entfernen. Man darf jetzt nicht glauben, wir haben es eh schon geschafft. Wer ist schon jemals 23 Tage durchgehend in den Bergen unterwegs gewesen?

Jedoch, die Wahrscheinlichkeit steigt mit jeden Tag, mein, unser Ziel zu erreichen. Wenn ich während der langen Aufstiege daran denke, wie das sein wird, wenn ich in das blaue Mittelmeer eintauchen werde – dann nehme ich jede neue Herausforderung demütig an. Immer weiter, immer südlicher, bis zum Horizont! Nizza, wir kommen – garantiert!

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Eintrag 012 und 13
Tag 60 – 67, So. 31.07.2016, Alagne
und

Tag 68 – 70, Do., 4.8.2016, Valtourneche

Etappe  Comersee – Matterhorn
Distanz: 950 km und 39.000 hm

Tag 60 – 67:
Seit Omegna bin ich erstmals in einer Gruppe unterwegs. Kann man 3 Personen als Gruppe bezeichnen? Reinhard May singt jedenfalls “ Mehr als 2 sind eine Gruppe“ – also dann. Wird sicher noch spannend werden. Man hat nach der Tagestour viel Zeit für einander.

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Die Etappen lassen zur Zeit keine großen Sprünge zu. Wir bewegen uns seit 6 Tagen auf dem Weitwanderweg GTA. Würde ich diesem Weg folgen, müsste ich mich um keine Tourenplanung mehr kümmern. Er würde mich nach San Remo an die Côte d’Azur bringen.

Wir sind hier auf den Spuren der Walser. Gerti Adam, meine „Kulturbeauftragte“,  hat für das Tagebuch einen Kurzbericht über die Walser erstellt:

„Walserwege sind Fußpfade zwischen den Dörfern der Walser, die im 13. und 14. Jahrhundert die oberen Enden zahlreicher Alpentäler besiedelten, vom Aostatal bis nach Tirol. Vor der Verbreitung von Motorfahrzeugen waren diese über oft hohe Bergsättel führenden Pfade die kürzeste und schnellste Verbindung zwischen den verschiedenen Hochtälern.  Die Gesamtlänge der Walserwege soll etwa 1000 km betragen. Heutzutage werden diese Wege touristisch genutzt.

Eine Ursache für die mittelalterlichen Walserwanderungen war der wachsende Bevölkerungsdruck und die Suche nach neuen landwirtschaftlichen Anbauflächen.  Die Walser entwickelten Techniken, die auch das Bewirtschaften von hoch gelegenen Bergregionen ermöglichten.  Somit bot die Neuerschließung von Land den Walsern die Möglichkeit zur Befreiung aus der feudalen Leibeigenschaft. Die Walser wurden wegen ihrer eigenen Rechtsverfassungen auch „Freie Walser“ genannt. Insbesondere aus dem Walserdorf Gressoney stammende Walser wurden seit dem 16. Jahrhundert auch als erfolgreiche Hausierer und Wanderhändler bekannt. Sie belieferten ihre Kundschaft in den tiefer gelegenen Regionen Mitteleuropas.“

Die Wege sind großteils alte Verbindungswege und laufen jetzt einige Etappen unter dem Namen GTA-Weitwanderweg. GTA seht für Gande Transversata delle Alpi.

Gerade habe ich die letzten Fotos von der Kamera auf mein I-Pad geladen und mir nebenbei einige vergangene Etappen angesehen. Auch den Start in Linz bzw. in Traun. Der Abschied von zu Hause, die verschiedenen Begleiter. Es ist ein überwältigendes Gefühl, dass mich spontan übermannte.
Auch das freundliche und sehr interessierte Personal in unserer Unterkunft hat gestaunt über mein Projekt.
Über 950 km gegangene km habe ich bereits hinter mir. Ich bin zu tiefst dankbar für alles, was ich in diesen 67 Tagen erleben durfte und es wird sicher noch Monate dauern, bis ich all das verarbeitet habe.

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Unser Team ist jetzt gut eingespielt und es macht Spaß in dieser kleinen Gruppe. Willi wird uns noch 2 Tage begleiten, ehe es für ihn wieder in die Heimat zurück gehen wird. Seit Omegna zeigt sich das Wetter wieder von allen Seiten. Richtig nass wurden wir aber bisher noch nicht. Es beginnt immer erst kurz nach Erreichen unserer Tagesziele zu regnen. Irgendwann mischt sich immer auch Gewitter dazu. Wir hören von heißen 33 Grad in der Poebene und können uns das hier gar nicht vorstellen.
Die Vegetation ist für diese Gegend ausgesprochen üppig und grün. Die Wege, die großteils gut erhalten sind, führen uns über Almen, deren Hütten fast ausschließlich aus Stein erbaut wurden. Die traditionellen Bergdörfer der Walser liegen tief eingeschnitten in den Tälern und so geht es seit 3 Tagen am Morgen gleich mal 1100 hm rauf, immer über einen Pass (Colle). Mächtige Wolken verdeckten die Sicht auf das Massiv des Monte Rosa (über 4600 m). Vielleicht werden wir am nächsten Pass, der an die 2800 m hoch liegt, einen Blick einfangen können.

Jetzt kommt gleich das Abendessen und es ist sehr gemütlich in diesem Refugio. Wir haben uns gleich eine Extrawurst ausgehandelt. Kein klassisches Cena mit 4 bis 5 Gängen, nur Pasta und Salat und dafür um 15 Euro billiger als das Menü. Wir haben es im wahrsten Sinn des Wortes satt, immer mit vollem Bauch ins Bett zu fallen.
Mein nächstes größeres Ziel ist Aosta und ich freue mich schon sehr, dort wieder meine Regine zu treffen.

Jetzt mal Prost und Mahlzeit und eine schöne Zeit für alle Leser!

Euer Peter

Tag 68:
Von Alagna bis Stafal.
Wir starten vom Refugio Grand Halte auf 1900 m. Willi, Christian und ich. Wir befinden uns direkt an der Schulter des riesigen Monte Rosa Massivs. Das Wetter – nach einer regenreichen Nacht, ein paar letzten Tropfen vor dem Weggehen.
Mächtige Wolken verstärken die hochalpine Szenerie. Willi nimmt ab 2050 m die Seilbahn hinauf bis zu den Gletschern auf 3300 m. Für Christian und mich geht der Aufstieg auf den knapp 2900 m hohen Pass und dann rüber ins nächste Tal. Wir machen keine Pause und erreichen unser erstes Tagesziel gegen 11 Uhr. Oben angekommen pfeife ich ein paar mal laut in die in Wilson integrierte Pfeife (was der alles kann!) und Willi erscheint inmitten des Geröllfeldes bergab laufend.

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Was folgt ist ein für mich klassischer „Arbeitstag“. Über 1050 hm auf Schipisten, Forstwegen und kurzen Wanderweg-Abschnitten. Wir hatten uns tags zuvor über Booking.com ein schönes B&B-Hotel gebucht.
Meine rechte Wade krampft beim bergab gehen immer mehr. Es hilft kaum etwas dagegen. Es schmerzt so, dass ich mich bereits nach einem baldigen Rasttag sehne.

Von Tal zu Tal mehrt sich jetzt der Wandertourismus. Im Hotel angekommen, wollten wir gleich das W-LAN für die nächste Buchung nutzen. Wir fanden aber keine freie Unterkunft für den nächsten Tag.
Stafal liegt im westlichsten Walsertal. Der Schitourismus hat hier bereits die meisten alten kulturellen Spuren verwischt. Nur noch auf wenigen Hausbeschriftungen sind noch Sprüche in Waliser-Deutsch geschnitzt oder gemalt. Im Vergleich zu den ersten sechs Tagen, wo Architektur, Essen und die Menschen einem das Gefühl gaben, in einer anderen Zeit zu wandern, bestimmen hier Lifte, Hotels und diese „schönen“ Pisten das Antlitz der Natur.

Tag 69:
Von Stafal nach St. Jacques.
Willis letzter Tag mit uns. So langweilig wie die Strecke gestern war, um so interessanter gestaltete sich der heutige Wegverlauf. Seit Tagen machten wir viele Höhenmeter, aber im Verhältnis dazu nur wenige Kilometer.
Im Schnitt 1100 rauf und runter und nur 9 – 11 km Distanz.
Die Pässe lagen allesamt auf einer Höhe zwischen 2600 und 2900 m. Die Wolkenformationen am Himmel ließen keine genaue Wetterprognose zu. Aber wie schon so oft während der letzten 68 Tage hatte es nicht geregnet, bevor wir die Unterkunft erreicht hatten. Nur die Aussicht auf die vielen 4000er nördlich von uns blieb uns bis auf wenige Ausnahmen verwehrt.
Im Tal angekommen gab es drei Unterkünfte zur Auswahl. Wir nahmen nach einigem Hin und Her ein Doppelzimmer mit einer zusätzlichen Matratze. Etwas eng für 3 ausgewachsene, kernige Wandergesellen – aber mit viel Rücksichtnahme auf den Anderen hat auch das super geklappt!
Eine große Abschiedsfeier gab es nicht. Unsere Vermieterin kochte eine Lasagne und Salat. Zwei Portionen für drei hungrige Bäuche – in dem Fall wäre uns wieder ein mehr-gängiges Menütscherl lieber gewesen!
Zum Abschluss erhoben wir noch unsere Gläser auf die schöne gemeinsame Zeit.

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Tag 70:
Von St.Jacques nach Valtourneche (Matterhorn-Tal-Italien)
Der Tag begann mit einem Mini-Frühstückchen, alles aus Sackerln und Verpackungen. Und ausschließlich süß.
Wieder einmal ein Abschied. Für Willi ging es ab nach Mailand und dann nach Hause. Für Christian und mich ins Matterhorn-Tal.

Die längste, schönste, aber auch anstrengendste Bergwanderung dieses Abschnitts stand bevor. 1200 hm rauf und runter und knappe 15 km Länge. Und das bei strahlendem Sonnenschein und unglaublicher Aussicht in alle Richtungen. Beim abwechslungsreichen Aufstieg mussten wir uns immer wieder Richtung Monte Rosa-Massiv umdrehen. Christians Fernglas ermöglichte uns Detailansichten der vergletscherten Bergwelt. Einige kleine schwarze Punkte konnten wir als Tourengeher auf den weißen Hängen ausmachen – meine Hochachtung!
Kurz vor dem steilen Anstieg auf den Pass konnten wir uns noch mit einer Minestrone und einem Birra piccola stärken. Sonnencreme und Kopfbedeckung als Schutz vor der lieben Sonne war heute mehr denn je gefragt.
Nach dem Pass konnte ich es erst gar nicht glauben. Ein Blick in die weite Ferne zum Gran Paradiso! An der westlichen Flanke dieses Berges möchten wir in etwa 8 Tagen in Richtung Süden vorbei ziehen.
Dann noch ein paar Schritte weiter und wir bekamen einen kurzen Blick auf den Gipfel des Matterhorns. Berge, Berge und nochmals Berge. Diese Gedanken gingen mir in diesem Augenblick durch den Kopf: „Wow, jetzt gehe ich schon seit fast 2 1/2 Monaten quer durch die Alpenwelt und kein Ende – ich bin immer noch umringt von so vielen Gipfeln. Aber jetzt, genau hier befinde ich mich im höchsten Teil der Alpen.“
Noch immer geflasht von diesen Eindrücken, konnten wir beim langen Abstieg nicht am Refugio „Panorama“ vorbei, ohne uns eine kühle Blonde zu genehmigen.

Der restliche Abstieg auf dieser harten Tour gab mir ziemlich den Rest. Füße und Schultern schmerzten bei jedem Schritt. Dank meines Navi manövrierten wir uns direkt in die bereits vorbestellte, etwas in die Jahre gekommene Albergo.
Frisch geduscht, aber immer noch geschlaucht, machten wir uns gegen 18.30 h auf, um Christians Geburtstag ordentlich zu feiern. Es folgten: Eine erstklassige, riesige Pizza, einige kühle Blonde und ein paar Karaffen Wein auf einer kleinen Terrasse sitzend, mit Ausblick zu der fernen Silhouette des Gran Paradiso. Langsam traten die Sterne aus dem dämmernden Abendhimmel hervor und wir redeten über alte Zeiten und was die Zukunft so alles bringen wird.
Ein letzter Gute-Nacht-Schluck, gemeinsam mit den übrig gebliebenen Einheimischen an der Bar, parlierend in einem perfekten Kauderwelsch aus Deutsch-Englisch-Italienisch, gab mir das angenehme, ja fast überwältigende Gefühl… angekommen zu sein! Ich befand mich physisch und geistig wahrlich im Gran Paradiso!

Bis zum nächsten Bericht
Euer etwas illuminierter Peter

Eintrag 011
Tag 49 – 59, So.12.07.2016
Etappe  Comersee – Matterhorn
Grenze zur Schweiz, Refugio S. Lucio und Omegna
Distanz: 900 km und 33.000 hm

Beginnen möchte ich beim Abgang von Lanzada Richtung Refugio Bosio. Es soll ja auch alles ordentlich dokumentiert sein. Nur dank der Unterstützung vieler Freunde und Firmen ist es mir überhaupt möglich, all das zu bewerkstelligen. Danke an alle.

Tag 49:
Mein Freund Mike war noch bis zum Lago di Como an meiner Seite. Die Hoffnung auf schöneres Wetter trieb uns zeitig aus den Nestern und wir gingen entspannt und frohen Mutes rüber nach Chesa, dem nächsten Dorf. Alles so auf ca. 900 m gelegen.
Es wurde sehr bald schwül und die dunkelgrauen Wolken verdeckten den eben noch blauen Himmel mehr und mehr.
Es ging ordentlich bergauf und wir schwitzten wie der sprichwörtliche Firmgöd, als der erste Donner grollte.
Kurz vor der sehr schön gelegen Alpe Lago mussten wir rasch auf Regenschutz umstellen. Das Gewitter zog Gott sei Dank nördlich vorbei. Regenbekleidung an und wieder aus. Kaum 20 Minuten später, das gleiche Spiel. Dieses Mal zog das Wetter südlich vorbei.
Wir genehmigten uns kaum eine Pause, denn es war auch weiterhin nichts Gutes zu erwarten. Dann, ca. 15 Minuten vor der Schutzhütte, begann es heftig zu schütten und bald wechselte der Regen auf Hagel. Im Laufschritt ging es zur Hütte. Diese 15 Minuten Dauerbewässerung von oben schafften es, uns komplett zu durchnässen.
Die Kleidung wurde vor dem Ofen aufgehängt und eine warme Minestrone und natürlich ein Bierchen ließen uns das Wetter bald vergessen. Draußen gab es dann nur eine kurze Pause bevor es noch schlimmer stürmte und hagelte. Mit Schach und Kartenspielen vertrieben wir uns die Zeit bis zum Cena (Abendessen). Der Wirt und seine Mutter heizten den offenen Kamin ein und gemeinsam mit einem älteren belgischen Pärchen verbrachten wir den Abend. Der Sturm wütete bis weit in den nächsten Vormittag.

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Tag 50:
Wir rüsteten uns für einen stürmischen und kalten Aufstieg auf den Passo Caldeno (2550 m).
Der Weg war nicht leicht zu finden. Nach dem Pass legte sich der Wind und die Sonne schmolz den Neuschnee auf den Südhängen. Wir verliefen uns in einem großen Steinfeld und benötigten eine Stunde, um auf einen Weg zu treffen, der uns zum Refugio Marinello führte.
Nach 5 Stunden Gehzeit war die Etappe beendet. Nach dem wir uns im sehr einfachen Refugio frisch gemacht hatten, spielten wir einige Partien mit dem „Wuzelautomaten“ (Übersetzung für die Germanen unter den Lesern = Tischfußball).
Die Aussicht von dieser besiedelten Alm auf 1550 m war wunderbar. Unter uns das Tal von Sondrio, welches direkt zum Lago di Como führt.

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Tag 51:
Wir wussten, eine schwierige Etappe stand bevor. Steil den Bergwald empor, durch wilde Graslandschaften und  steilen Abhängen entlang, ein auf und ab mit vielen Fernblicken und Ausblicken in die Täler.
Und was sich in den letzten Tagen schon schmerzhaft angekündigt hatte, wurde jetzt immer schlimmer: Blasen an den Füßen! Mir ist nichts anderes übrig geblieben, ich musste auf meine Sandalen umsteigen. Seit diesem Tag gehe ich Jesus gleich ausschließlich mit dieser Lightversion. Etwas mühsam natürlich, speziell wenn es sumpfig oder nass wird. Ich muss mit Socken gehen und die werden im Morgentau und bei jeder kleinen Bachüberquerung nass und immer nasser. Aber meine Fersen sagen: „Danke, lieber Peter!“
Nach ca. 2 Stunden ging es dann 1300 hm bergab. Nicht auf dem kürzesten Weg, den haben wir wieder mal nicht gefunden. Die letzten 600 hm mussten wir auf einer Forststraße in endlosen Serpentinen ins Tal latschen.
Das erste Hotel war Gott sei Dank auch gleich unseres. Wie überall hier in den Bergen Italiens muss man Halbpension nehmen, da es kaum andere Möglichkeiten zum Abendessen gibt. Das heißt mit vollem Bauch in die Federn.
Wenn es dann auch noch WLAN gibt, wird dieses noch ausreichend zum Schreiben in die Heimat genützt.

Tag 52:
Die Gegend um Cataeggio dürfte für Bergsteiger sehr interessant sein. Überhaupt erscheinen mir die Berge der Lombardei sehr wild und steil.
Als wir von unserer Unterkunft in Richtung Ortschaft wanderten, kamen wir an einem großen Bergsteigerhotel vorbei, bevölkert mit Franzosen, die mit Seil und Kletterwerkzeug unterwegs waren.

Für uns ging’s aber nicht steil bergauf, sondern stetig bergab. Wir hatten Morbegno ganz unten im Tal als Ziel. Es war Mikes letzte Etappe und er hatte bereits im Voraus ein Zimmer am nahe gelegenen Comersee reserviert, von wo er dann am nächsten Tag den Zug zurück zu seinem Ausgangsort nehmen musste.
Es war uns schon Tage zuvor klar, dass wir unser Ziel Colico am Lago di Como zu Fuß nicht erreichen können. So nahmen wir – wieder einmal nach einigen Umwegen und Straßenkilometern – den Lokalzug von Morbegno nach Colico. Durch diese kleine Inanspruchnahme eines technischen Hilfsmittels konnten wir den letzten Abend gemeinsam an den Ufern des wunderschönen Lago verbringen.

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Tag 53:
Wieder einmal war Abschied angesagt.
Um 8.40 h stieg Mike in den Zug und ich verstaute meine 7 Sachen in den Bauch von Wilson, dem ich ja eine Abmagerungskur verordnet hatte. Da ich Mike meinen Schlafsack mit nach Hause gegeben hatte, war plötzlich das Packen eine einfache Angelegenheit.  Auch die kleine Sony Kompaktkamera mit einem super Zoom hat er mir überlassen. Meine 2 kg schwere Fotoausrüstung hatten wir schon in Poschiavo (CH) in seinem Auto zurück gelassen. Langsam wird Mr. Wilson angenehmer zu tragen. Jetzt wo wir wieder alleine miteinander auskommen müssen, fühlt sich das schon sehr gut an. Ich habe jetzt nach einigen kleinen und zwei größeren Abspeckkuren um Minimum 4 kg weniger auf dem Buckel.
So bepackt machte ich mich auf zur Anlegestelle und nahm das Schiff, dass mich auf die andere Seite nach Dongo brachte. Weil es ein super schöner Tag war, genehmigte ich mir erst mal zur Einstimmung einen Cappuccino.
So…. und jetzt kann es los gehen. Hier irgendwo muss es auf den Berg gehen. Ich hatte nur max. 3 Stunden Gehzeit eingeplant.

Es sollte ganz ganz anders kommen. Zu guter Letzt fand ich mich 17 km südlicher, immer noch am See. Dazwischen lagen 5 1/2 Stunden anstrengendes Wegesuchen. 4 Mal landete ich im Dickicht und auf einer Strecke von ca. 8 km wanderte ich auf einem kaum oder gar nicht begangenen „Panoramaweg“. Eigentlich eine wunderschöne und romantische Strecke. Mal auf, mal ab. Durch dichte Vegetation und dann wieder freie Ausblicke über den See. Es war heiß und ich achtete auch darauf, auf keine Schlange zu treten. Eidechsen raschelten im Gebüsch und Grillen zirpten. Wieder einmal musste ich einsehen, es geht nicht immer dort hin, wo ich es will. Der Weg öffnete sich dann gegen Monoggio hin.

Enge Gassen führten mich hinunter zum Strand. Etwas fertig begann die Hotelsuche. Nach ungefähr 150 m waren meine Kräfte am Ende und ich akzeptierte die 70 € mit Frühstück. Ich hatte keine andere Option.
Freies WLAN!! Jetzt plante ich meine neue Strecke. Wo kann ich Wege finden und wo übernachten. Wie viele km und hm kann ich schaffen.
Als ich im breiten Bettchen lag, fiel ich sofort in tiefen Schlaf.

Tag 54:
Ich will es noch einmal wissen. Mein Ziel, das Refugio San Lucio.
Dort wäre ich dann wieder auf meiner geplanten Strecke. Es ging alles nach Plan.
Alle Wege und Straßen gefunden. Eine Strecke mit 450 hm und 7 km als Autostopper im Fahrzeug einer durchgeknallten Holländerin die engen Kurven hinauf zu den Bergdörfern. Sie erzählte durchgehend und ohne Luft zu schnappen ihre Lebensgeschichte, die sie in diese Gegend gebracht hat. Etwas duselig vom Redeschwall und Fahrstil der Dame, wackelte ich die ersten Meter nach diesem Höllenritt dem Refugio entgegen. Irgendwie hatte ich dann auch das Gefühl – die hat noch Kontakt zu den Coffee Shops ihrer Heimat.

Der Weg zum Rifugio war ausnahmsweise mal klar vorgegeben. Die Hitze machte mir nichts aus und ich genoss jeden Schritt mit meinen luftigen Sandalen.
Die Bergschuhe baumelten am Rucksack. Eigentlich könnte ich sie gleich entsorgen. Aber was ist ein Bergsteiger ohne Bergschuhe…….?!
Oben angekommen……welch herrlicher Rundblick. Westlich bis zum Monte Rosa (über 4000m). Am Nachmittag waren nur ein paar Tagesgäste anwesend und jetzt, wo ich hier auf der Terrasse diese Zeilen schreibe, bin ich wieder einmal der einzige Gast. In der Ferne das Gebimmel der Kuhglocken und irgend wo ein leises Bellen eines Hundes. Sanft streicht der Westwind über die friedliche Landschaft.
Die Sonne steht schon tief und ich erfreue mich meines Lebens. Es bedarf nicht viel um glücklich zu sein.
In Gedanken an zu Hause habe ich die letzte Sonnenstrahlen gleich eingefangen.
Chiao und Buena Notte tutti!

Tag 55:
Ref. S. Lucio. – Lugano
Der Tag begann so wie er letzte aufgehört hat. Friedliche Stimmung, rundum keine Wolke und ein wunderschöner Ausblick. Gleich nach dem Frühstück auf der Terrasse machte ich mich auf die Socken (auf die Socken, haha. Wenn man mit Sandalen und in Socken wandert, fühlt sich das auch beinahe so an).
Mein Ziel, das Refugio Bolla oberhalb von Lugano. Abgesehen von einigen Pflanzen, erinnerte mich dieser Abschnitt an unser Salzkammergut. Traunstein oder die Drachenwand am Mondsee.
Die Ferse wurde immer schmerzhafter und so funktionierte ich die Sandalen auf Schlapfen um. Das verringert natürlich in diesem Gelände das Weiterkommen enorm.
Da ich der Meinung war, in gut 4 Stunden meine Tagesziel erreichen zu können, hatte ich keinen Stress und genoss den Weg, der mich immer wieder durch herrliche Laubwälder führte. In diesen Breiten ist die Baumgrenze mancher Orts über 2000 m.
Das Refugio Bolla liegt nur mehr auf ca. 1150 m. Leider ist die Hütte nur mehr ein Ausflugsziel, es gab keine Zimmer bzw. die Wirtsleute schlafen auch nicht hier. Nach einer kühlen Halben um 6 Fränkli musste ich den langen Abstieg bis nach Lugano auf ca. 210 m in Kauf nehmen.
Noch während des Gehens checkte ich die Hotellage mit diversen Apps, nur das Reservieren wollte nicht mehr gelingen, da das Internet plötzlich den Dienst verweigerte.
Ich hatte noch ein Hotel hinter dem Bahnhof in Erinnerung und durchquerte die südlichste Schweizer Stadt am gleichnamigen See. Aus den 4 Std. Gehzeit wurden 8 Std. Wegzeit.
Es wartete das teuerste Zimmer bisher auf mich. Mit Frühstück, aber WC und Bad am Gang, stolze 83 CHF. Vom Nahversorger am Bahnhof holte ich mir Jause und Bier und trat erschöpft den Rückzug ins Zimmer an.
Nach Fußmassage und Körperpflege fiel ich wieder einmal in einen tiefen Schlaf.

Tag 56:
Das Frühstück sollte der Höhepunkt des Tags bleiben. Es folgte der Tag, der einmal kommen musste!

Mein Plan war, die Strecke bis zum Treffpunkt zweier Freunde in einer möglichst kurzen und flachen Variante zu bewältigen. Natürlich sollten Hauptstraßen weitestgehend umgangen werden. 33 Grad waren für heute angesagt und so marschierte ich erst mal bis zur Italienischen Grenze. Zwei Mal kam ich dabei noch an die Ufer des Lago Lugano. Ab dann ging es immer leicht bergauf und bergab auf sogenannten Dorfstraßen. In einer Dorfkneipe löschte ich den Durst mit einem Birra alla Spina (In Italia = 0,4 l)!
Die Hitze erreichte bald den Höhepunkt und ich suchte immer öfter den Schatten von Bäumen, um zu rasten. Meine Fußsohlen waren jetzt auch schon etwas wund und so entschloss ich mich ab sofort jedes Zimmer zu nehmen, das angeboten wird. Es folgte Cugliate, dann Cunardo und mit kleinen Umwegen schließlich Cuveglie. Wenn ich nach einer Unterkunft bzw. einem Hotel oder Albergo fragte, wussten die Leute immer irgendwie, irgendwo, irgendwas. Das stellte sich dann aber immer als Irrtum heraus.
Natürlich verstanden diese Menschen auch nicht, dass mein Aktionsradius schon sehr klein war. Kurz vor Casazugno und nach über 28 km mit viel Asphalt und sengender Hitze war mein Aktionsradius genau 0 (in Worten: Null!) Kilometer.

Immer noch kein Hotel weit und breit. In meiner Not begann begann ich Auto zu stoppen.
Nach rund 30 min hielt plötzlich ein roter Kleinwagen und ein junger Bursche winkte mich ins Auto. Auf Englisch – seines genau so gebrochen wie meines – erklärte ich ihm die Situation. Antonio checkte während der Fahrt sein Handy nach Infos (normalerweise ist dieses Verhalten selbstverständlich nicht gut zu heißen, aber in dem Fall, Leute, ich sag’s euch ehrlich, war ich echt froh) und ich hielt neben der Straße Ausschau. Nach 6 km in Richtung Lago Maggiore würden wir fündig. Gasthaus inkl. Pizzeria und Hotel. Der heilige Antonio war meine Rettung.

In dieser Reihenfolge beendete ich den bisher anstrengendsten Tag auf meiner Tour: Trinken, waschen, trinken, essen, trinken, Fußpflege, trinken und schlafen.
Ich muss gestehen, an diesem Tag habe ich mich oft gefragt: „Peter, warum tust du dir das an?“ Vor allem aber verlor ich für einen gewissen Zeitraum das Gefühl „Ja, ich kann es schaffen“. Aber wie wir alle wissen, es geht immer irgend wie weiter.

Tag 57 und 58:
Jetzt war ich dem Treffpunkt in Omegna ein gewaltiges Stück näher gekommen.
Ein Mal 8 km und einer Schiffsfahrt über den Lago Maggiore inklusive Billig-Absteige in Baveno. Dafür bummeln am See!
Ein Mal 14 km, leider nur auf der Straße, aber den Weg über den Berg wollte und konnte ich nicht nehmen.

Jetzt habe ich 3 Ruhetage heraus geschunden. Drei Tage in denen meine Füße geschont werden und sich die Fußsohlen erholen sollten und sich die Fersenblase hoffentlich in Luft auflösen wird.
Wäsche waschen und einkaufen und auf Grund des freien WLANs viele Kontakte mit Zuhause. Mit WhatsApp kann man ja kostenlos telefonieren und so stand einem hemmungslosen Kommunikationsabend mit der Heimat nichts mehr im Wege.
Das Rockkonzert gegenüber von meinem Hotelzimmer bescherte mir dann noch einen langen Abend, yeah!

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Tag 59:
Omegna am Lago d’Orta. Mein erster Rasttag nach 9 Tagen.
Ein paar Gedanken zum Tagebuch: Ich schreibe diese Zeilen für euch und natürlich auch für mich selbst. Es freut mich, wenn sich jemand für diese Tour interessiert. Es ist nicht selbstverständlich. Es gibt auch Menschen, die mir weder vor der Tour noch während der Wanderung eine Frage dazu gestellt haben. Ich kann auch verstehen, wenn jemand der Meinung ist, dass das, was ich gerade mache, verrückt und unsinnig ist. Das ist für mich OK und ich denke auch selber manchmal das selbe darüber!
Es ist aber auf jeden Fall eine große, wenn nicht die größte Erfahrung in meinem Leben und die große Anteilnahme von euch per Mail, SMS, WhatsApp oder auch telefonisch machen mich schon stolz auf das, was ich da eben unternehme.

Bilanz bisher: 900km hinter mir und noch 800 vor mir.
33.000 hm erklommen und wahrscheinlich noch 40.000 zu bezwingen.
Am Montag ist Halbzeit, was den Zeitrahmen angeht. Vom Energieaufwand würde ich auch sagen, das mit Omegna die Hälfte erreicht ist.
Am Montag kommen Willi und Christian hierher, um mich zum Matterhorn zu begleiten.
Mit Christian soll es dann bis nach Nizza weiter gehen. Wir haben schon einige Reisen und Trekking-Touren miteinander unternommen, das hat immer gut funktioniert. Wenn unsere nicht mehr ganz so jungen Körper durchhalten, dann sollten wir so um den 21. September bei Nizza ins Meer springen.
Bis dahin gibt es aber noch einige, wirklich mächtige Hürden zu bewältigen und so manche reizvolle Bergwelten zu durchwandern.

Wie es ausgeht werden wir ja sehen!
Buongiorno, euer Peter

 

Eintrag 010
Tag 39 – 48, So.12.07.2016
Etappe  Meran – Comersee
Stilfserjoch: Tibet Hütte 2770 m,  Arnoga und Poschiavo (CH)
Distanz: 665 km und 26.200 hm

Der mächtige Ortler vor mir, mit seinen über 3900m der höchste Berg Südtirols. In dicke Wolken gepackt, die Temperatur sinkt nach angenehmen 13°, auf 6 – 7°.  50 .- € für Halbpension in einem steinernen Rundbau, etwas über der hässlichen Verbauung des Stilfserjoch gelegen. Der unfreundliche Wirt zieht einem den Teller weg, während man noch isst. Das Essen war aber ausgezeichnet. 4 Gang Menü. Ich bin satt, aber irgend wie nicht ganz rund. Viel zu schnell bin ich hier herauf gekommen. Aber eines nach dem anderen.

Das bin ich euch vom letzten Mal noch schuldig: Die Waalwege vom Vinschgau

Es sind Wasserkanäle, die zur Bewässerung dienen. Der Vinschgau ist ein sehr trockenes Tal und die Bewohner begannen schon um vor Jahrhunderten mit dem Bau dieser Kanäle. Auch gab es kleine Wasserspeicher in Form von Teichen. Diese Waale wurden mit Steinplatten und Erdwällen erbaut. Teilweise bringen sie das Gletscherwasser von weit her. Die ersten Kanäle wurden schon vor über 500 Jahren errichtet. Man muss sich vorstellen, ohne viel Arbeitsgerät, teilweise in den Felsen gehauen und immer mit einem Minimalgefälle. Dazu kamen natürlich die diversen Abzweigungen zu den Obst und Weinfeldern. Alles in allem ein sehr ausgeklügeltes Bewässerungssystem. Es gab Aufpasser, damit sich nicht jeder Wasser abzweigen konnte, so viel er wollte. Die sogenannten Waaler achteten auf eine gerechte Verteilung. Natürlich kam es immer wieder zu nächtlichen Missbräuchen und Streitereien. Es sind nur mehr sehr wenige Teilstrecken vom ehemaligen Netz vorhanden. Diese werden für den Tourismus erhalten.  Genaue Daten, wann die ersten Kanäle erbaut wurden, kann ich euch erst bei einem der Vorträge liefern, bei dem ihr doch sicher anwesend seid 😉

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Aber jetzt machen wir uns wieder auf den Weg!

Tag 40:

Am Montag brachten mich Regines Schwester, deren Gatte und Regine zum Ausgangspunkt meiner Tour.
Ich wählte sorgfältig den Ort Kastellbell aus, um dann nach ca. 29 – 30 km bis nach Prad zu kommen. Nach üblichem Wegesuchen befand ich mich schließlich 20 min später auf dem Waalweg nach Goldrein. Wunderschön angelegt ging es die ersten 6 km dahin. Dann wieder abwärts nach Goldrein, um dann bis Prad mehr oder weniger am Etschtal-Radwanderweg entlang zu walken. Es wurde immer wärmer und  sehr windig. So spulte ich km für km ab. Vorbei an endlosen Apfelplantagen und immer auf die heranbrausenden Radler achtend.  Als ich den Kirchturm von Prad erspähte, schwanden plötzlich meine Kräfte und die müden Füße meldeten sich intensiv.

Kaum im Ort angekommen, steuerte ich das ausgewählte aber nicht gebuchte Gasthaus mit Zimmer an.  40€ mit Frühtück ist jetzt schon Normalität! Der Standard der Unterkunft war gut und so wollte ich nicht jammern wegen des Geldes. Ich kaufte mir das Abendessen im Supermarkt und sparte damit etwas Kleingeld ein.
Da es am nächsten Tag 1300 hm und 16 km Strecke zu bewältigen gab, wollte ich auf Nummer sicher gehen. Im Hotel meinten Sie, ja man könne auf der Furkelhütte übernachten. Meine Wanderkarte zeigte „Schutzhütte“ an. Zwar konnte ich im Internet keine Homepage der Hütte entdecken, jedoch einen Eintrag mit Telefonnummer. Bis zum Schlafengehen schafte ich keinen telefonischen Kontakt.

Tag 41:

Auch am Morgen das gleiche – keine Verbindung!

Ach, was soll schon passieren – los geht’s! Durch Prad hindurch und hinauf nach Stilfs. Ein wunderschöner alter Verbindungsweg zwischen den Orten Prad und Stilfs entlang, etwas bergab und viel bergauf.

Mr. Wilson machte sich bemerkbar, er drückte ordentlich auf die Schultern und brachte mich zudem auch noch ziemlich ins schwitzen. Kurz vor Stilfs hatte ich plötzlich den Ortler in seiner ganzen Pracht vor mir. Ein gewaltiges Massiv aus Fels und Eis, das sich da zwischen Südtirol und Bormio aufbaute. Als ich nach ca. 2 Stunden im engen und steil angelegten Alpendorf Stilfs eintraf, war ich so durchgeschwitzt, wie noch nie auf dieser Tour. Neben dem Dorfbrunnen warf ich Wilson von mir und macht kurz Pause. Drei alte Dorfbewohnerinnen kamen des Weges und begutachteten den schwitzenden Fremdling. Hier spricht man noch deutsch oder besser gesagt, einen kaum zu verstehenden Dialekt und so war das Gespräch mit diesen „Golden Girls“ nicht besonders ergiebig.

Der Weg weiter zur Furklerhütte war mal wieder nicht besonders gekennzeichnet und so musste ich immer wieder mit dem Navi nachhelfen. Aber auch dann kann es nicht immer eindeutig sein, wo es lang geht. Dank meines guten Orientierungssinnes, kam es auch heute zu keinen nennenswerten Umwegen. Es wurde immer wärmer und nach 5 1/2 Stunden war ich endlich auf der 2165 m  hoch gelegenen Furkelhütte mit toller Aussichtsterrasse, angekommen. Ein spektakuläres Panorama auf das gesamte Ortlermassiv.

Mal kurz nach der Nächtigungsmöglichkeit gefragt: „Äh, nein, bei uns ist es nicht möglich zu übernachten“. (Schei..e.. Tschuldigung) Die Hütte wird um 18 Uhr zugesperrt und alle Angestellten fahren mit dem Sessellift hinunter. Sessellift? Na, wenigsten etwas. Nach kurzer Rast musste ich widerwillig mit dem Lift nach Trafori abfahren. Übrigens der Geburtsort von Gustav Töni (Wer kann sich an den noch erinnern?). Unten angekommen hielt es mich nicht lange in diesem engen Tal. Kurz entschlossen nahm ich den Bus, der gerade daherschnaufte und fuhr zum Pass. Meine geplante Tour auf das Stilfserjoch konnte ich von hier sowieso nicht mehr machen. Rein in das Vehikel und Serpentine um Serpentine hinauf zur Passhöhe. Meine Hochachtung gilt wieder den vielen Radfahrern, die sich hier hinauf schrauben.

Tag 42:

Eine einsame und trotzdem spannende Wanderung brachte mich vom Stilfserjoch zum Umbrailpass und über den Boccetta di Forcola (2768 m) hinaus zu den Bergstauseen Lago di Cancano. Die Landschaft, noch vor einem Tag üppig und sattgrün ist hier auf einmal karg und trocken. Jetzt bin ich endgültig in Italien angekommen. Langsam wandere ich die 800 hm hinunter und mache oft Pause um mich umzusehen. Im Refugio Monte Scale, wo ich tags zuvor reserviert hatte, empfing mich der freundliche Besitzer Guido herzlich und ich bekam sofort ein 2-Bettzimmer. Auf dieser Strecke kreuzen extrem viele Mountenbiker die Wege. Ein echtes Eldorado für die Radler. Gemeinsam mit ca. 15 Bikern, allesamt aus dem schönen Deutschland, teilte ich mir das Refugio.

Um genau zu sein, saß ich mit zwei Gleichaltrigen am Tisch und deren Akzent war dann doch nicht ganz Hochdeutsch. Beide Kurden, seit ihrer  Jugend in Deutschland lebend, sprechen zwar fließend, aber doch irgend wie lustig das „Kölsch“. Wir hatten eine sehr nette Unterhaltung und so zog ich mich erst gegen 22 Uhr zurück und lies den Tag Revue passieren.

Tag 43:

Heute lies ich es mal ruhiger angehen. Die letzten 3 Tage hatten es eh in sich. Bei strahlend blauem Himmel verlies ich das Hochtal und wanderte hinab in die Zivilisation. 650 hm hinunter nach Valdidentro, wo ich mir am Dorfplatz einen guten Cappuccino genehmigte und in der Touristinfo ein Zimmer in Arnoga reservierte. Den Aufstieg begann ich erst so gegen 11.30h. Ich hatte es heute nicht eilig.
Auch morgen steht nur eine 3 1/2 Std Wanderung auf dem Programm. Da aber erst am Samstag mein Freund Mike nach Poschiavo kommen wird, würde ich bei normalem Tempo wieder mal einen Tag zu früh ankommen. Der Treffpunkt liegt aber in der teuren Schweiz! Da mache ich lieber aus zwei langen Wandertagen drei sogenannte 3/4 Tage.

Tag 44:

Ich verlies das schmucklose Berghotel um 9 Uhr. Die Aussicht von der Terrasse auf den Gletscher des 3440 m hohen Cima de Piazzi war aber um so schöner. Es lag direkt an der Passstraße auf den „Passo di Foscagno“ und um 7 Uhr brausten bereits die ersten „Organspender“ die Serpentinen herauf.

Mit kleinen Umwegen benötigte ich für die Tour trotzdem nur 3 Stunden. Was mache ich um 12 Uhr auf einer Hütte? Noch dazu war hier der Bär los. Eine Jugendgruppe mit ca. 40 Personen traf kurz nach mir ein. Auch viele Italiener waren schon den kurzen Weg vom Parkplatz hierher gegangen. Das Lager darf ich, egal ob ich der einzige Nächtigungsgast bin oder nicht, erst um 18 Uhr beziehen.

Zu guter Letzt traf auch noch eine sonderbare Gruppe mit 16 Militärjeeps hier ein. Eine uniformierte Gruppe, die irgend etwas vom 1. Weltkrieg hier feiern wollte. Ich reservierte mein Lager, trank meinen Radler aus und nahm ohne Rucksack reißaus.  Ohne den Ballast auf dem Rücken spazierte ich gemütlich hinauf zum Pass und ein Stückchen weiter. Erstmals auf dieser Wanderung betrat ich Schweizer Boden.

Als sich gegen 15 Uhr die Wolken verdichteten und es leicht zu regen begann, traf ich wieder im Refugio ein. Gerade recht, es herrschte  Aufbruchstimmung. Kaum 15 min später war ich der einzige Gast! Und zum ersten mal bin ich mit den alten Hock-WC’s konfrontiert. Das es sowas noch gibt?! Kurz vor dem Abendessen kamen noch 2 Wanderer des Weges. Daniela aus Deutschland und ihr Partner Jörg aus der Schweiz. Wir hatten einen unterhaltsamen Abend und das Hüttenteam bekochte uns mit Polenta, Gulasch, Käse und zu trinken gab es süffigen Hauswein. Es war ein schöner Tag, wenngleich das Lager schließlich ziemlich müffelte.

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Tag 45:

Bei leichter Bewölkung verabschiedete ich mich Samstag morgens bei den Hüttenleut und bei Daniela und Jörg und machte mich über den P. Continental (2432 m), auf die Socken um drüben in das Poschiavotal abzusteigen.

Eine wunderschöne romantische Landschaft mit kleinen Seen und vielen Kiefernwäldern lies mich kaum bemerken, dass ich knapp 900 hm abgestiegen war. Am Treffpunkt mit Mike war ich um 10.45 Uhr und sendete wie heut zu Tage üblich SMSe und WhatsApp-Nachrichten. Genauer kann man das sicher nicht mehr steuern. Um 11 Uhr, exakt zum ausgemachten Zeitpunkt kreuzte Mike mit seinem schwarzen Lexus auf. Eine herzliche Begrüßung und einen Radler zum Anstoßen auf die kommende gemeinsam Tour. Reden, genaue Route planen, spazieren am See und Besichtigung von Poschiavo.

Tag 45:

Viele Höhenmeter, herrliche Landschaften und ein romantisches Refugio in der traditionellen Bauweise aus Stein und Holz. Das gemeinsame Abendprogramm mit den wenigen Gästen: Fußballfinale EM! Fazit: Österreich war jetzt gar nicht so schlecht, weil wir haben ja gegen den Europameister 0:0 gespielt!

Tag 46:

Vorbei an einem Eldorado für Kletterer zur Alpe Prabella (2230 m). Eine kleine Almensiedlung aus 10 Steinhäusern und einer Kapelle. Alle super schön renoviert. Von hier wanderten wir immer leicht bergauf und bergab bis zu Alpe Acquanera von wo es dann stetig bergab ging. Je weiter wir nach unten kamen, desto schwüler wurde es. Nach 4 1/2 Stunden erreichten wir das Berg-Dorf Caspoggio, wo wir Pause machten. Fast schon zum Greifen unser Tagesziel Lanzada. Aber nur fast. Es ging noch 120 hm runter zum Fluss und dann zu unserer Unterkunft wieder 100 hm hinauf. Zu guter Letzt machten wir noch einige ungewollte Umwege, sodass sich unsere Gehzeit sinnlos ausdehnte.

Hier bin ich nun endgültig in Italien angekommen. Die Häuser, Geschäfte und natürlich die Einwohner, alles typisch italienisch.

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Tag 47:

Regen am Morgen. Regen am Vormittag ……und Sonnenschien zu Mittag. Fertig gepackt standen wir da und checkten unsere diversen Wettervorhersagen am Handy. Auch die Vermieter meinten „Heute REGEN“! Da ich ohnehin schon seit 8 Tagen keinen Rasttag mehr hatte, entschlossen wir uns, alles wieder auszupacken und bummeln zu gehen.

Wir überprüfen nochmals unsere nächste Route und werden am Mittwoch auf das Rifugio Bosio ( 2068 ) aufsteigen. Jetzt sind wir nur noch 3 1/2 Tagesetappen vom Comersee entfernt. Wenn ich mir auf einer Übersichtskarte die ganze bisherige Strecke ansehe – es geht mir nicht wirklich in den Kopf. Das soll ich bereits alles gegangen sein?

Alle Probleme waren immer irgendwie zu bewältigen oder lösten sich in Luft auf. Nur mein lieber „Freund“ Wilson hängt sich nach 3 Stunden Gehzeit immer noch ordentlich in die Schultern rein. So hab ich beschlossen, er muss abnehmen. Und wir haben bereits mit dem Abspeckprogramm begonnen:

1: Meine Kamera blieb in Mikes Auto. Wir benützen gemeinsam seine Sony Kompaktkamera.
2: Mein Schlafsack wird ab Sonntag mit Mike nach Hause fahren.
3: Das I-Pad fährt dann von Aosta mit Regine zurück
4: 1 Paar Socken, 1 T-Shirt, diverse Cremen und Nahrungsergenzungen flogen bereits aus dem Sack
5: „Durchwanderte Landkarten“ landen im Papierkorb
6: Gelesene Seiten ebenfalls
7: Die Jause wird immer auf das Minimum beschränkt und die Wassertanks auf halbe Füllungen beschränkt

Das letzte Drittel meiner Wanderung wird die meisten Höhenmeter mit sich bringen. Da zählt dann jedes Deckagramm.

Ja,…..und meine neuen Bergschuhe bereiten mir nach acht Tagen große Probleme. Jetzt gehe ich ohne Einlagen. Die Blasen sind gut abgepickt und meine alten Schuhe, die mich bis Meran getragen haben, werden zu Hause mit neuen Sohlen versehen und kommen hoffentlich mit meinen Freunden Willi und Christian zum Lago Maggiore.

Man hat also immer was zu tun und wenn mir langweilig wird dann steht italienisch lernen auf dem Programm oder eben Tagebuch schreiben.

 

Info:

Tag 048,  27500 hm und 692 gegangene Km.

+ 15 km mit dem Zug, 25 km mit dem Auto und 10 km mit dem Bus.

Das macht dann bloß noch ca. 960 km, die noch auf mich warten.

Liebe Grüße und bis zum nächsten mal.

Peter

 

Eintrag 009
Tag 31 – 38, So.03.07.2016
Etappe  Sterzing – Meran

Tage 31 – 35:

Nach einem etwas langweiligen Samstag Nachmittag in Sterzing, fühlte ich wieder Antrieb für die weitere Tour. Meine Pension war eingekeilt zwischen Autobahn, Fluss und einem riesigen LKW- und Camperparkplatz mit einer Versorgungszone, die ein wenig an den ehemaligen Ostblock erinnerte. Es gab aber eine sehr gute Pizza und ein Glas Hauswein um € 10,50, was meinem Wander-Budget gut tat.
Auf der Suche nach einem brauchbaren WLAN trieb es mich vormittags in die Altstadt. Ein Cappuccino, ein Croissant und ein WLAN – wieder nur für Text – ließen mich einige Zeit vor dem kleinen Café sitzen und zwischen dem Schreiben der Zeilen das Geschehen auf der FUZO beobachten.
Später, wieder „zu Hause“, checkte ich nochmals genau die Route bis Meran. Zum Abschluss des Tages gab es noch ein Gösser-Bierchen aus dem Supermarkt und einen Bayrisch-Österreichischen Film mit Konstantin Wecker in der Hauptrolle.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte und auf die Uhr blickte, war es 6.30h und ich fand dies sei die perfekte Zeit  zum Aufstehen. Nach der Morgentoilette und kargem Frühstück stellte ich fest, dass ich mich um eine Stunde geirrt hatte! Hoppla, was tun, Superman? Nach gründlicher Inspektion der aktuellen Wetterlage, machte ich mich um 6.30h, also zur selben Zeit, zu der ich aufgestanden bin, auf die Socken.

Über Gasteig wollte ich die direkte Route auf den Jaufenpass nehmen. Wie schon des öfteren verfehlte ich den Weg und fand mich auf dem Jaufentalweg wieder. Auch egal – weiter!
Je näher die Passhöhe kam, um so steiler wurde der Weg. Nach 4 Std. stand ich auf dem Jaufenpass, etwas abseits der grölenden Biker und ihren dröhnenden Maschinen. Ehrlich, sie sehen echt cool aus mit ihren heißen Öfen und geilen Lederdressen… aber gegen eine Besteigung des Passes mit einem 19 kg schweren Etwas, genannt Wilson, auf dem Rücken ….ein echter Witz . Das ist keine Leistung für mich. Da lobe ich mir schon eher die konditionsstarken Radfahrer, die sich trotz Auto- und Bikerverkehr hier herauf quälen.

Jaufenpass2 Jaufenpass Jaufenpass3

Als ich nach einer Stärkung wieder vor die Edelweißhütte trat, stellte sich von Süden her eine dichte Gewitterwand auf. Kaum  war ich 20 Meter von der Hütte entfernt, begann es heftig zu schütten. Alle Biker nahmen Zuflucht in und um die Hütte. Auch ich fand noch ein Plätzchen unter einem Dachvorsprung. Jetzt setzte auch noch heftiger Hagel ein. Aber nach 15 Minuten war alles überstanden und weiter ging’s auf dem Weg. Nach 10 Minuten wieder donnern. Der nächste Wettersturz.  Also drückte ich wieder einmal auf’s Tempo. Nach sehr flotten 40 Minuten traf ich bei leichtem Regen in der Hütte ein. Die Gewitter zogen rasch vorüber, aber das Schlechtwetter hielt bis in den nächsten Tag hinein.

Wieder war ich der einzige Nächtigungsgast. Ab und zu fühlt man sich da schon ein bisserl einsam. Ich freue mich jetzt schon sehr, wenn mich Anita Eckerstorfer ab morgen bis nach Meran begleitet.
Tags darauf holte ich sie vom Jaufenpass ab und unsere Tour ging entlang des Bergkamms bis zum Glattnerjoch (2395 m) und dann stetig bergab bis nach Moos auf 1000 m.
Auf dem Weg, wie immer, fast keine Menschenseele. Von hier ging es hinauf in das Pfelderertal. Die Sonne hatte an diesem Tag kein Erbarmen mit uns und lies uns ordentlich schwitzen.
Für die letzten 3 km bis zum Talschluss genehmigten wir uns aber die Fahrt mit dem ratternden Bus. Nach 7 Std. Wegzeit und 21 km inklusive vielen Höhenmetern, erreichten wir unsere Unterkunft GH Zeppich, wo sie sehr gut auf Wandererer eingestellt sind. Riesige Essensportionen und vor allem – das Personal ist freundlich und unkompliziert.
Jetzt ist anscheinend die Wandersaison eröffnet! So viele Bergler auf einmal habe ich in den letzten Wochen in Summe nicht gesehen.

Am Mittwoch ging’s dann dem Spronser Joch (2581 m) entgegen. Begleitet von Georg, einem wanderbegeisterten deutschen Flachländer, ging es Stunde um Stunde bergan. Je höher der Weg, um so dichter wurden die Wolken. Noch schnell zwei Schneefelder überqueren und dann erreichten wir im Nebel den höchsten Tagespunkt. Lange blieben wir nicht. Hier im Herzen der Texlergruppe befinden sich viele kleine Seen. Im höchst gelegenen von ihnen schwamm nicht ich, sondern ordentlich Eis.
Steil führte der Weg nach unten. Unser Lager schlugen wir in der Oberkaserhütte auf. Da es gerade mal 14h war, machten wir nach längerer Erholungspause noch eine geruhsame Erkundungstour, mit Kamera und Fernglas bewaffnet.

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Die Tage Nr. 36 und 37 waren wandermässig eher gemütlich, da wir ja genügend Zeit hatten.
Einmal von der Oberkaserhütte über die Bockerhütte absteigen und dann auf den Meraner Höhenweg bis zum Berggasthof Talbaur auf 1200 m mit herrlicher Aussichtsterrasse.
Entlang dieses beliebten Höhen-Bergwanderweges haben sich viele Unterkünfte auf uns Bergfexe eingestellt und bieten guten Standard zu günstigen Preisen.

Nach nächtlichen Gewitterregen und morgendlichem Frühstück, gemeinsam mit 3 deutschen Wanderinnen, gingen wir ganz langsam nach Dorf Tirol hinunter. Jetzt wird es nicht mehr lange dauern und ich darf meine liebe Regine in die Arme schließen.

Anita stieg nach einem Abschiedskaffee in den Bus nach Meran, wo sie mit dem Zug die Heimreise antrat. Anita und ich sind seit 15 Jahren ein gut eingespieltes Team. Wir betreiben unsere Gemeinschaftspraxis und gelegentlich halten wir mehrtägige Seminare ab. Genau so harmonisch wie die letzten 15 Jahre war auch unsere gemeinsame Woche auf der Tour.

Ich ging weiter bis zur bereits reservierten Unterkunft Garni Dornbach, im oberen Teil von Dorf Tirol gelegen, ausgestattet mit Pool und schöner Aussicht. Ich machte mich frisch für den Empfang von Regine, Andrea und Wolfgang (Schwester mit Ehemann). Ich freute mich riesig, als sie endlich da waren! Kurz darauf saßen wir alle gemeinsam auf der Terrasse und es gab bis über das Abendessen hinaus viel zu erzählen.

So – erstmalig habe ich 2 1/2 Tage Pause. Urlaub vom Gehen, Packen und Wegsuchen, vom Wetter beobachten und Unterkunft suchen.
Jetzt ist Sonntag, der  3.7.,  16:30h und mein Fokus geht schon wieder langsam in Richtung Weitwanderung. Wie wird der Weg über das Stilfser Joch sein, der mich erstmals auf über 2800 m Höhe führen wird? Danach wird es aus sein mit Deutsch palawern. Italienisch wird gefragt sein. Italiano, wie….äh no, non parlare Italiano, habe ich leider nicht gelernt. Auf der Flecknerhütte eine Stunde Einführung mit Koch Andi, das ist alles.

Wärend ich diese Zeilen schreibe, liegen die andern drei am Pool und rasten sich von unserer vormittäglichen Rundtour zum Schloss Tirol und zu den Waalwegen aus .
Was Waalwege sind? Mehr davon erfährt ihr im nächsten Bericht.

Peli9  Peli7

Vielen Dank für euer Interesse am Tagebuch – ich freu mich riesig über meine Fangemeinde!
Den nächsten Bericht wird es erst in 12 – 14 Tagen vom Comersee geben. Dazwischen bin ich vorwiegend auf Hütten unterwegs.

Bis bald
Peter

Hüttenwirt  Hütte innen  Moor  Berge    

Berge 2 Spiegelung2

hütte  Bergdorf  Murmeltier  Pfunders  Rinne  Traktor  Wegerl

Eintrag 008
Tag 31, 25.06.2016
Sterzing/Pfunders

Tage 29 – 31:

Wie das Fußballspiel aus ging muß ich ja nicht mehr erwähnen. Österreich fährt heim. Das heißt, die Nationalmannschaft – ich bleibe im Rennen, komm sozusagen ins 1/8-Finale. Die Vorrunde werde ich mit dem Eintreffen in Meran überstanden haben. Dann beginnen die Ausscheidungsrunden.
Meine Abschnitte sind dann Wochenweise eingeteilt. Eine Woche hinter Meran kommt mein Freund Mike, um mit mir bis zum Comersee zu wandern. Dann geht es weiter durch das Seengebiet nördlich von Lugano und vom Lago Maggiore bis zum Matterhorn. Matterhorn bis Aosta und so weiter. Weitere Freunde haben sich noch angesagt, mich zu begleiten. Im speziellen freue ich mich auf Christian Adam, der mich knapp 6 Wochen lang bis zum Meer begleiten wird.
Den vorgegeben Zeitplan müsste ich einhalten können. Auf die Frage, warum ich nicht mal wo länger bleibe, muss ich antworten, dass die Spannung nach längeren Pausen abfällt. Wie gesagt, der Fokus und die Motivation sind mein Motor.

2 Tage Pause in Meran, 2 in Aosta und dann nochmals 2 in Nizza.
2 Tage habe ich als Reserve, wenn es mal passt oder wenn der Körper es verlangt.
Pausentage gibt es ja noch nach jedem sechsten Gehtag, das müsste reichen.

Leider habe ich kaum freies WLan und wenn, dann werden keine Fotos übertragen. Vielleicht in Meran. Da haben Regine und ich eine sehr gute Pension mit Schwimmbad gebucht. Die haben sicher eine gute Internetverbindung.

Was war in den letzten Tagen sonst noch los?

Nun, ich trennte mich von Pfunders nur ungern, da es eines der schönsten Bergdörfer auf der bisherigen Tour war.
Meinen ursprünglichen Plan, den Weg wieder hinauf in die hochalpinen Landschaften einzuschlagen, lies ich nach Rücksprache mit Einheimischen fallen. Den Pfad über das abgelegene Pfundererjoch ist heuer noch niemand gegangen. Da der Weg teilweise nordseitig verläuft, die Jochhöhe mit stolzen 2575 m angegeben ist, wird mit Sicherheit im letzten Teil der Schnee liegen. Tags zuvor hab ich schon über sehr viele Schneefelder müssen, die aber gespurt waren. Alleine mit Wilson, meinem Lieblings-Rucksack, möchte ich aber kein unnötiges Risiko eingehen.

Die untere Route hatte es, was Höhenmeter und Kilometer anbelangt, auch in sich. So kam ich bei zunehmender Hitze um 15.30h in Vals an. Unterwegs passierte mir ein Missgeschick. Ich „pöckelte“ zwei Mal mit dem linken Sprunggelenk um. Beim ersten Mal ging es nach kurzer Schmerzphase gleich wieder weiter. Als 30 Minuten später eine Colliehündin aus dem Nichts auftauchte, war ich abgelenkt und es passierte zum 2. Mal. Mir blieb kurz das Herz stehen. Ja, dieses Mal hatte ich mehr abbekommen. Als ich laut fluchte und den Wanderstock in die Erde rammte, sah mich die Hündin fragend und mitleidig an.
Leicht humpelnd ging die Reise weiter ins Tal von Vals hinunter. Erst als ich der Hündin laut und deutlich klar machte, das sie nicht ewig neben mir her trotten könne und zurück laufen müsse, lies sie sich enttäuscht abschütteln und sie verschwand so wie sie gekommen war.

Die Suche nach einem günstigen Zimmer ist nicht immer leicht. Vor allem, wenn die Beine schon sehr müde sind und das Sprunggelenk sticht. Ich frage dann immer Leute die in ihren Gärten arbeiten oder vor dem Haus sitzen, ob sie günstige Pensionen kennen.

So fand ich schließlich die billigste Unterkunft seit ich unterwegs bin. Eine schrullige alte Frau öffnete die Türe und ich fragte meine schon eingespielte Frage: „Haben Sie eine Unterkunft für einen müden Wanderer“? Sie vermiete eigentlich nicht mehr, war die Antwort, aber für einen müden Wanderer habe sie natürlich was frei.
Ich wurde dann noch ausgiebig bekocht, Suppe, Schnitzel und Nachspeise, 2 kleine Bier, Übernachtung mit Frühstück – um 25.- Euro, ohne Rechnung, versteht sich.
Für sie sei es unfassbar, dass jemand solch eine Wanderung mache, sagte sie noch sehr anerkennend. Herzlich war der Abschied am nächsten Tag und weiter ging es das Vallser Joch hinauf und drüben wieder runter.

Damit war ich im Eisacktal angekommen. Auf verschiedenen Panorama- und Rundwegen zog es mich immer weiter, bis ich kurz vor Sterzing den aufgeheizten Talboden erreichte.

Sterzing!!! – Die Sonne brannte vom Nachmittagshimmel, erbarmungslos auf Mr. Wilson (ja, in solchen Situationen bin ich per Sie mit ihm!) und mich. Entlang des Flusses schleppte ich mich hinein in die kleine Stadt, vorbei an einer Mülldeponie und noch nicht wissend, welche Bedeutung dies haben sollte, an einem großen Feuerwehrwettbewerb. Ich überquerte stark befahrene Straßen, parallel und mit etwas Abstand zur Brenner-Autobahn. Als ich schließlich gestärkt durch einen großen sauren Radler, in der Touristinfo ankam, die Hiobsbotschaft – Keine Zimmer frei – Internationale Feuerwehrmeisterschaft! Hier gab es aber zum Glück wieder FreeWLAN und ich organisierte mir 2 km außerhalb eine Pension ohne Frühstück. Mit dem Auto ist das nur ein Katzensprung, aber gehen!? Mit Mr. Wilson auf dem schwitzenden Rücken und gefühlten 35 Grad legte ich auch diese Strecke ohne Murren zurück. Es hätte mir eh keiner zugehört.

Heute, am 31.Tag gibt es wieder einen Rasttag. Besichtigung der schönen Altstadt von Sterzing und der näheren Umgebung stehen auf dem Programm. Da ich etwas schneller unterwegs bin habe ich bis Meran noch einen Ruhetag in petto. Den werde ich schon übermorgen nehmen, oben auf der Schleckerhütte auf über 2000 hm, weil ich noch auf meine Praxiskollegin und gute Freundin Anita Eckerstorfer warte muss. Wir treffen uns am Montag am Jaufenpass. Gemeinsam werden wir mit kleinen Umwegen auf Meran zusteuern.

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Liebe Fans meiner Tagebuchserie: Fotos wird es in Zukunft nur mehr sehr sporadisch geben.
Je nach Internetverbindung. Aber wenn ich zurück von dieser langen Tour bin, wird es sicher einen Lichtbildvortrag mit allen sehenswerten Fotos geben.

Während ich diese Zeilen schreibe, braut sich draußen ein Gewitter zusammen. Ich freu mich auf alles was da noch kommen mag.

Bis bald
Peter und Wilson
(mittlerweile haben wir schon eine seeehr persönliche Beziehung und jetzt, da er sich nicht auf meinem Rücken befindet, bin ich schon wieder per DU mit ihm ;))

Eintrag 007
Tag 28, Mittwoch, 22.06.2016
Etappe Mallnitz – Pfunders – Sterzing

Als ich in St. Jakop im Deffreggental angekommen war, wusste ich noch nicht genau welche Route ich weiter gehen soll. Ein Rasttag bot sich an, da ich schon 7 Gehtage hinter mir hatte. Beim Gespräch in der Touristinformation und einem Nationlparkmitarbeiter stellte sich folgendes rasch heraus: Wenn ich über den langen und höheren Weg nach Südtirol will, dann sollte ich wetterbedingt keinen Rasttag machen. Ich telefonierte mit dem Gasthof Oberhausalm, ob es eine Möglichkeit gibt, bei ihnen übernachten zu können. Ich soll einfach vorbeikommen, es wird sich schon irgendwie etwas ergeben. Das sind zwar 3 Stunden Gehzeit von St. Jakob bis zum Gasthof, aber es würde mir den Übergang am nächsten Tag sehr erleichtern. Also hab ich mich entschlossen, es so zu machen – Rasttag ade.

Tag 23:

EINE NACHT BEI DEN HALTERN AUF DER ALM!

Tags darauf, am 17.6., verlies ich St Jakob gemütlich um 9.30h in Richtung Kammjoch und Oberhausalm. Nach einer 1/2 Std. schüttete es ordentlich runter und ich nahm „Zuflucht“ in einer Kapelle. Bei kühlen 9 Grad wartete ich das Ärgste ab und setzte frohen Mutes meine Wanderung fort.

Alle Gewässer führten leichtes Hochwasser und kleinen Wasserfälle stürzten durch das üppige Grün der Wiesen und Büsche. Es wurde zunehmend sonniger und ich machte ungewohnt oft an schönen Plätzen halt.
Gegen 14h erreichte ich den Berggasthof und der Wirt meinte, ich könne in der Halterhütte 15 Minuten weiter bergauf übernachten. Die beiden Halter (Kuhhirten) hätten nichts dagegen. Da war ich aber gespannt, was das für Typen sind.
Ich hatte gerade eine riesige Portion Schweinsbraten vertilgt, als einer der Halter zurück kam. Fabian, um die 35 Jahre alt, vom „Zaun herrichten“ ein wenig gezeichnet, ist ein äußert freundlicher und friedfertiger Typ. Ein wenig später kam auch sein Kollege, der Stephan, nach Hause. Auch er war mir auf Anhieb sympathisch. Beide sind aus der Umgebung von Innsbruck.
Ich bezog also mein Quartier in ihrer Hütte und anschließend plauderten wir ein wenig über ihre Tätigkeiten. Über 220 Stk. Rindviecher werden sie ab der nächsten Woche zu betreuen haben. Das gesamte Almengebiet soll ca. 12 km2 groß sein. Sie müssen ständig die Kühe zählen, kontrollieren ob sie gesund sind und sie von den obersten Almgegenden wieder nach unten treiben.  Ich bewundere die Einfachheit ihrer Lebensführung in diesen 3 Monaten auf der Alm.

Der Abend wurde unten im Gasthaus mit einigen Bierchen und guten Gesprächen abgerundet.

Tag 24:

AUF NACH ITALIEN!

Um 6h „sprang“ ich aus dem harten Lager und trat, bewaffnet mit Sandalen, Unterhose und Kamera, ins Freie. Sch…kalt! Temperaturen etwas über 4 Grad. Ein strahlend blauer Himmel lachte herab und die klare Luft lies einige weiße Gipfel erkennen.

Leise packte ich meine Sache und um 7h verabschiedete ich mich von Fabian. Stephan schlief noch. Ich ließ schöne Grüße ausrichten und raus ging es in die imposante Bergwelt. Von Beginn dieser Tour bis jetzt hatte ich immer eine kurze Hose an, so auch heute bei diesen doch wenigen Graden. Das machte sich deutlich am Wandertempo bemerkbar. Über eine Stunde lang führte der Weg durch den Schatten der mächtigen Berge.
Kurz vor der 800 Jahre alten Steinhäusersiedlung Jagdhausalm auf 2000 m hatte die Sonne endlich die Höhe erreicht, dass sie mich auch etwas wärmen konnte.

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Dieser Tag war landschaftlich sicher der Höhepunkt der bisherigen Wanderung. Nach 2 1/2 Stunden überschritt ich das Klemmjoch in 2300 m Höhe und betrat erstmals Südtiroler Boden. Nach knapp 3 1/2 Wochen werde ich jetzt fast den gesamten Rest des Weges auf italienischem Boden wandern.

In der Knuttenalm gab es zur Feier des Tages Café, Apfelstrudel und Vanillesoße.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits den Entschluß gefasst am Höhenweg weiter bis nach Sand i. Täufers zu gehen. Meine Tour, die auch auf diesem Abschnitt wunderbare Ausblicke zu bieten hatte, wurde aber jäh unterbrochen. Nein, dieses mal war’s nicht der Regen. Ein Verbotsschild stand da plötzlich mitten am Weg. Steinschlaggefahr! Das heißt für mich zu viel Risiko, hier weiter zu gehen!  Ein Blick auf meine Karte zeigte mir, dass ich einen Umweg über das im Tal gelegene Rein i. Tauffern und dann entlang der Straße hinab bis Sand machen muss – schon wieder muss ich die Route den örtlichen Begebenheiten anpassen – also immer schön flexibel bleiben!
In Sand angekommen musste ich mir erst mal ein Quartier suchen, was nach einer halben Stunde auch gelang. Schmuddelig und billig, mein Budget lässt keine großen Sprünge zu.

Als ich um 21.45h im Dorfcafe vor der TV-Leinwand saß, hatte ich die 27 km, etliche bergwärts und viele talwärts schon vergessen. Österreich – Portugal. Als einziger anwesender  Österreicher waren die Südtiroler auf meiner Seite und fieberten bei dieser Abwehrschlacht mit mir mit. Sind ja doch noch sehr verbunden mit uns, die Südtiroler!

Tag 025
So., 19.06.2016  
RASTTAG

Ein sehr kühler wolkenverhangener Tag mit einigen Regenschauern. Was macht ein Bergvagabund am Rasttag? Etwas länger schlafen, einkaufen, WLAN suchen und nach Hause schreiben. Die Route für die nächsten Tage festlegen, inkl. eventueller Ausweichmöglichkeit. Abklären wo man übernachten könnte, die gesamte Ausrüstung mal durchlüften, essen, Ort besichtigen, Bericht schreiben, Fotos auf das i-Pad laden und bearbeiten und ein paar auf die Homepage laden. Ganz wichtig, die Fußflege. Eincremen, massieren und regenerieren, bald schlafen gehen.

Sand i. Taufers ist der Geburtsort vom berühmten Bergsteiger Kammerländer. Nach ihm ist auch der Ortsplatz benannt worden. Eine mächtige Burg thront über der Stadt und erinnert an vergangene Zeiten, als hier noch ein einflussreiches Geschlecht seine Macht ausübte. Burgbesichtigung und ein abendliches EM-Fußballspiel standen noch auf dem Programm.

Tag 026: 

Von Sand ging es bei der Burg vorbei entlang eines schönen Waldweges bis nach Luttach.

Ein kurzer Besuch in der Touristeninfo zur Bestätigung der Hüttenöffnung Chemnitzerhütte und weiter ging es ins Weissenbachtal und hinauf zur 2430m hoch gelegenen Schutzhütte. Mittlerweile bin ich blendend in Form und so schaffte ich die 25 km und in Summe 1650 hm in 7 1/2 Stunden Wegzeit. Das Wetter war beständig und so konnte ich jeden Meter in Ruhe genießen. Im Grenzgebiet zum Zillertal reihen sich die schneebedeckten 3000er aneinander. Den Blick auf den höchsten in der Runde hat mir aber einer seiner Kollegen verstellt, der 3509m hohe Hochfeiler.

Auf der Hütte war ich wieder einmal der einzige Nächtigungsgast. Die Wirtsfamilie, Vater Roland, Mutter Anna und 2 erwachsene Söhne unterhielten sich mit mir bis zum baldigen schlafen gehen. Dabei stellte sich heraus, dass auch Vorbilder von mir, das Bergsteigerpärchen Thurner aus Wien, 2011 hier durchgekommen sind.  Sie haben ja ein wunderschönes Buch über ihre Alpenüberquerung veröffentlicht. Ja, das wäre auch so mein Ansinnen für „danach“. Ich hab jetzt noch nicht mal ein Drittel des Weges, aber bereits so viele Eindrücke und Fotos. Das alles würde ich dann auch gerne mit vielen Menschen teilen.

Tag 027: 

Nach einer Nacht, in der ich schlecht geschlafen hatte, gab es am Morgen einen herzlichen Abschied von Roland und Anna. Bei strammen 8 Grad und in kurzer Hose machte ich mich auf den Weg. Wilson war besonders schwer – mir kommt vor, ich nehme ab und der Sack ständig zu! Aber in Wahrheit wird es bloß die Höhe sein. Der Weg führte mich zuerst über 600 hm hinunter zu einem Stausee und auf der anderen Seite wieder hinauf zu der noch in Umbau befindlichen Edelrauterhütte auf 2540 hm . Meine bisher größte Höhe auf diesem Tourenabschnitt. Der Anstieg war auf Grund der vielen Schneefelder etwas beschwerlich. Immer wieder machte ich kurze Trink- und Fotopausen.
Oben angelangt zog es mich aber bald wieder ins Tal. Ein sehr langer Abstieg stand bevor. Über 1400 hm ging es über einen Weg mit toller Aussicht hinab nach Pfunders. Somit machte ich an diesem Tag mehr als 2000m bergab – danke für’s Durchhalten, liebe Knie! Zirben- und Lärchenwälder und viele Kuherden entlang des Weges.
Roland empfahl beim Brugger Wirt zu nächtigen. Trotz Sperrtag wurde ich freundlich aufgenommen. Nach einer riesigen Portion Spaghetti und 2 Bier fiel ich todmüde in die Federn.

Tag 028:

Welch ein Morgengruß von meinem Körper! Die Beine sendeten klare Befehle an das Großhirn: „Peli, heute machst du in diesem entzückenden Bergdorf Rasttag!“ – Ein Blick auf meinen Zeitplan entspannte die Situation sofort. Ich bin ohnehin zu schnell unterwegs und habe Zeit genug.
Ich muss erst am Freitag nächste Woche in Meran ankommen. Dort werde ich mich mit Regine und nordtiroler Verwandten treffen. Jetzt sitze ich hier auf der sonnigen Terrasse vom Brugger-Wirt und schreibe für euch diese Zeilen. Rings herum arbeiten die Bergbauern auf Hochdruck, um das Heu einzubringen. Ich liebe diesen Duft von frisch geschnittenem Heu.

In 4 Stunden beginnt das alles entscheidenend Fußballspiel Österreich – Island, das wird wieder Nerven kosten. Aber ich glaubte fest an einen Sieg. Mein Tipp: 2:1 für Österreich. Und schon wieder hatte ich mich geirrt.

Ich möchte mich hier einmal ganz herzlich bedanken:

Bei Wolfgang Lang, der meine manchmal etwas wirren Zeilen zu sinnvollen Sätzen und Absätzen macht und immer wieder ein Auge auf meine Homepage wirft.

Bei meiner Partnerin Regine, weil sie unserer Beziehung diese Zeit und den Raum gibt. Keine Selbstverständlichkeit! Danke auch, dass du die Organisation der Versorgung übernommen hast!

Bei Allen die mir bisher geholfen haben. Freunde, Bekannte und Sponsoren.

Vielen herzlichen Dank
Euer Peter

Eintrag 006
Tag 022, Donnerstag, 16.06.2016  
St. Jakob – Pension Taumberger

Von  Mallnitz nach St. Jakob (Osttirol)
Gesamte Wanderkilometer: 377, gesamte Höhenmeter: 13.170m

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Tag 017: 
Wetterberichte und mein Gefühl lassen mich erst einmal eine niedriger gelegene Wanderroute von Mallnitz über die Häusleralm zum hoch gelegenen Himmlerhof und wieder runter nach Ausserfragant wählen. Heidi Eppensteiner, meine Bergbegleitung bis nach Huben (Osttirol), war auch für diese Variante, die sich als sehr sehr schön und abwechslungsreich erwies. Beim Nahversorger im Ort genehmigten wir uns nach einer schweißtreibend Tour ein Bier und der Dorfalki (ein zuagraster Deutscher, aber das wollen wir jetzt nicht überbewerten) informierte uns über das Geschehen im Ort.

Tag 018:
Ich erwähne ab sofort keine Wetterprognosen mehr! Ja, wir gingen jeden Tag für kurze Zeit im Regen. Sonnenschein bzw. angenehme Temperaturen waren jedoch gegen das Schlechtwetter Sieger.
In vergangenen Zeiten war ich sehr berg- und gipfelorientiert. Heute muss ich aber zugeben, mehr zu sehen gibt es bei den Weganstiegen hinter den Dörfern, hoch und einsam gelegenen Bergbauernhöfen bis hin zu den Almhöhen. Der viele Regen macht die Vegetation extrem saftig und grün. Die Nacht verbrachten wir auf der modern umgebauten Fraganterhütte (1810m). (Hauben-)Koch Peter servierte uns zum Abendessen Hirschbraten. Den Hirsch hatte er selbst erlegt.

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Tag 019:
Von der Fraganterhütte über das mit Schneeflecken bedeckte Schobertörl (2360) hinunter in das Mölltal. Das Tal erreichten wir trocken, obwohl rings herum teilweise kurze Güsse niedergingen. Von Mörtschach führte der Weg dann am Fluß entlang bis zum Tagesziel Winkeln.
Das war wieder mal eine lange Tour! 22km,  620hm rauf und 1450m runter. Dazu mein lieber Wilson, der so an mir hängt. Irgendwie entwickelt sich jetzt doch so etwas wie „Freundschaft“! Er ist ja doch so etwas wie mein zu Hause. Alles was man für 4 Monate benötigt, in einem Sack …… wie ein Vagabund! Ein bisschen fühle ich mich schon so. Die moderne Telekommunikation erweckt zwar oft das Gefühl, mit jedem in Kontakt sein zu können und das hat ja doch auch seine Vorteile. Als Ergänzung zur Kartennavigation zeigt mir das Programm verlässlich meinen Standort an – danke an diejenigen, die das GPS erfunden haben. Mit den vorgeschlagenen Wegen muss man aber sehr vorsichtig sein. Ich teile meine Navigation zu je einem Drittel: Wanderkarte, Handynavi und dem inneren Gefühl bzw. vertraue ich dann auch wieder meiner Erfahrung.

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Tag 020:
Weiter über den Iselsberg und im Zickzack zur Naturfreundehütte (1860m) hoch über Lienz gelegen, der Hauptstadt Osttirols. Wieder ein Tag mit den schon gewohnten Wetterkapriolen. Den letzten Aufstieg nahmen wir über eine kaum ersichtliche Abkürzung. Die Mittagssonne mußte sich Stück für Stück den sich auftürmenden Wolken geschlagen geben – es war unsagbar schwül. Wir machten nur zum Trinken und Fotografieren rast. Vorbei an Kühen, Eseln und Pferden ging es der Hütte entgegen. Mit den ersten Regentropfen erreichten wir die gemütliche Hütte, die von der sehr sympathischen Wirtin Lisa geführt wird. Dieser Tag war der 14.06. – Fußballfreunde wissen gleich, um welches Datum es sich handelt – das erste Österreichspiel bei der EM 2016. Die Hütte hatte eine Fernseher, ich hab’s mir angeschaut. 90 min später hab ich’s aber bereut. 2:0 für Ungarn.

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Tag 021:
Nach einer sehr regenreichen Nacht sah ich am Morgen durch das Fenster die Umgebung nur grau in grau. Egal, dachte ich, wir nehmen uns ausreichend Zeit für das reichhaltige Hüttenfrühstück. Als wir schließlich um 9h morgens vollgegessen und voll bepackt vor die Tür traten, kamen schon die ersten zarten Sonnenstrahlen. Wir wählten deshalb den Weg über die höheren Almen und weiter hinauf auf 2150 m und stiegen dann kontinuierlich hinab bis auf 740m nach Oberlienz an der Isel. Das letzte Stück, ca. 12 km, entlang eines leicht hochwasserführenden wilden Flusses – wieder ein paar Tropfen. Abendliche Gewitter mit anschließendem tollen Regenbogen rundeten das Bergerlebnis ab.

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Tag 022:
Ein absoluter Tälerwandertag mit Abschied von Heidi in Huben am Nachmittag. Heidi war den körperlichen Strapazen gut gewachsen und wir beide waren sehr dankbar für die Wegbegleitung.
Nach einem Abschiedsseiterl stoppte ich die 5 km nach Hofgarten. Wie ihr schon wisst bin ich kein Freund der Straßenwanderungen, und der Weg bis St. Jakob im Deffreggental ist noch lang genug.

Das 3 Etappenziel erreicht!
Eigentlich möchte ich jetzt einen Tag Pause machen. Seit sieben Tagen auf den Beinen, das verlangt nach Entspannung.
Ich sollte aber noch weiter über das Kammjoch (2260m) hinüber nach Sand/Täufers. Dazu muss ich aber unbedingt die Wettervorhersage im Auge behalten. Die Strecke bietet auf über 26 km keine Unterkunftsmöglichkeit. Gespräche mit der Touristinformation, der Nationalparkverwaltung und der Zimmervermieterin, halfen mir einen Plan zu erstellen.

Wie es also weiter gehen wird, das könnt ihr in ca. einer Woche nachlesen.

Bis bald! Euer Peter

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Eintrag oo5
Tag 015, Freitag 10.06.2016, Mallnitz, Pension Edlinger
Rasttag!

Von Schladming nach Mallnitz
Gesamte Wanderkilometer: 263, gesamte Höhenmeter: 8750

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Regentag, Sonnentag, Wolkentag, Umwegtag und schließlich wieder auf Kurs!
Vorgestern, als ich die letzten Kilometer entlang des Flusses Arl nach Großarl wanderte, waren die Beschwerden in meinem linken Bein wieder einmal sehr intensiv. Darauf, als Reaktion, übernimmt automatisch das rechte Bein ein klein wenig mehr Gehleistung, was sich am Abend durch Fersenschmerzen bemerkbar machte. Mein Gehirn sagt: Das wird sich bestimmt in den nächsten Wochen auflösen! Positiv denken ist wichtig, haben wir gelernt! Ich glaub dran.

Tage 011 bis 015:

Von Schladming ging’s ins Forsterautal zur Vögeialm, über die Seekarscharte (2022 m) runter nach Obertauern und weiter zur Südwienerhütte.
Begleitet von meinem Freund und Nachbarn Harald bis nach Obertauern. Strömender Regen, Schnee und Sonne-Wolkengemisch. Suche nach dem Weg und Abschied….. wieder einmal, wie so oft in den letzten Wochen.

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Auf der Südwienerhütte war ich der einzige Gast. Nicht ganz – mein Kollege (nein, nicht Kamerad!) “Wilson“ ist immer dabei! Who the f… is Wilson? Na, mein fetter Rucksack mit seinen 18 kg. Bin echt dankbar das es ihn gibt… aber Freunde werden wir wohl nicht.
Dann, am Dienstag Morgen, strahlend blauer Himmel. Wie werde ich jetzt weiter gehen. Das Gespräch mit den Hüttenleut verheißt leider nichts Gutes: Heuer ist noch niemand über den Pass rüber zur Fischerhütte. Die Schneelage wird zwar entspannter, aber das Risiko alleine da oben den Weg nicht zu finden, war es mir nicht wert.
Also plante ich meine Tour großräumig um. Absteigen nach Flachau= Großer Umweg. Über 3 Bergrücken drüber, bis in das Gasteinertal.

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Von Flachau rüber nach Kleinarl – wieder 950 hm rüber nach Großarl – und schließlich Ähnliches nach Gastein. Der Weg führte mich von total einsamen Anstiegen über hässliche Schigebiete zu wunderbar gelegenen Almen. Keine Alm war geöffnet und kaum eine Menschenseele unterwegs. Mein Blick war immer ein bisschen gegen den sich rasch verändernden Himmel gerichtet. Nur ja kein Gewitter! Bitte, wenn schon, dann erst wenn ich mit Wilson wieder unten bin!
Danke! Bisher ist mir dieses beängstigende Gebirgsereignis Gott sei Dank erspart geblieben.
Die letzten Kilometer von Gastein nach Mallnitz legte ich dann mit dem Zug zurück. Durch den Tauerntunnel ging es ruck zuck – und schon war ich auf der anderen Seite des Alpenhauptkammes.
Hier wartete schon Heidi Eppensteiner auf mich, die mich die nächsten Tage bis Osttirol begleiten wird.

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Mein Resümee aus den bisherigen Wandertagen:

Sechs Gehtage sind aus derzeitiger Sicht auf Dauer Utopie. Da muß ich mir was einfallen lassen.
Die Wanderroute verändert sich ständig. Wetterberichte, Hüttenöffnungszeiten und die Schneelage auf den Übergängen machen eine vernünftige Routenplanung extrem kompliziert. Es drängt mich etwas südlicher als geplant.
Auch sind manche Wanderwege, die klar und deutlich in der Wanderkarte eingezeichnet sind, in Natura oft schwer zu finden oder seit Jahren nicht mehr betreut.

Tja, und wo sind jetzt die bisherigen Höhepunkte? Aber klar gibt es die! Und wie!
Alleine wenn ich zurück denke, wie abwechslungsreich diese 16 Tage bis jetzt schon waren.
Freunde, die abschnittsweise mitgegangen sind. Die Zeit mit Regine und den Adams in Schladmings erster Adresse, dem Hotel Royer.

Die vielen Almen, die verschiedensten Wetterstimmungen, die Straßen, Wege, Steige. Der Wind, die Sonne und all die vielen kurzen Begegnungen auf dem Weg.
Das Gefühl der Grenzenlosigkeit, das sich wie ein zarter Spross langsam aber beständig gegen den Himmel erstreckt.
Die Anteilnahme meiner Familie, die Motivation durch meine vielen Freunde und Bekannten durch nette und ermutigende Mails, SMS und WhatsApp-Nachrichten.
Das alles ist es wert und macht es wertvoll!

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Auf nach Matrei, Sterzing und Meran. Weiter zum Lago di Como und zum Matterhorn. Auf ins Piemont. Rüber über die Seealpe bis ans „Blaue Meer“! Soweit mich meine Füße tragen werden!!

Euer Peter


Eintrag 005
TAG 010
Sa., 4.6., Schladming, 16.30h – Hotel Royer****

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Ja, ihr habt richtig gelesen! 4-Sterne Hotel. Ein Sponsoring, von Adam Christian organisiert. Danke, Christian! Seine Frau Gerti, Regine und ich, wir genossen den Luxus, uns 2 Tage kostenlos verwöhnen zu lassen. Draußen geht gerade ein Gewitterregen nieder und ich schreib wieder mal ein paar Zeilen:

Tag 007:
Mittwoch, 9.00h, kam Christian Adam, um mich bis nach Schladming zu begleiten. Wir wanderten im Regen auf die Viehbergalm, die den Mountainbikern unter euch sicher ein Begriff ist. Man muss hier mit dem Rad in diesem sehr abgelegenen Teil des Dachsteinmassivs bei der sogenannten Dachsteinrunde vorbei.

Tag 008:
Weiter ging es bei leichtem Regen Richtung Stoderzinken über die interessante Variante der Notgasse. Hier kann man nur zu Fuß durch die enge Schlucht, vorbei an verschiedenen Steinwand-Ritzungen aus sehr unterschiedlichen Epochen.

An diesem Tag haben wir aber noch einiges mehr erleben dürfen. Zum Beispiel unseren ersten Gipfel und höchsten Punkt: Der 2050m hohe Stoderzinken oder den knapp darunter liegenden Friedenskircher. Sonnenschein und Kälte, Regen und Wind  wechselten sich ab. Nach 20 Bergkilometern und vielen Höhenmetern – speziell bergab – erreichten wir Weißenbach vor Schladming am späten Nachmittag.

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Der Tag 009 war dann eine gemütliches Wanderen von Weißenbach nach Schladming. Die Strecke mit 11 km und 200 hm schaften wir bis um 11.00h. Dann stand ich vor dem Shop meines Hauptsponsors, der Firma Salewa!
Wir schossen ein paar Fotos und da keiner der mir bekannten Herren anwesend war, wurde es nur ein sehr kurzer und etwas enttäuschender Besuch.
Diesen Schmerz konnte ich aber sehr schnell bei der Ankunft im Hotel überwinden. Christian und ich durften unsere Zimmer für die nächsten zwei Tage beziehen.
Einige Zeit später kamen unser Frauen nach und wir hatten hier eine ruhige und entspannte Zeit miteinander.

Morgen am Tag 010 geht es dann weiter Richtung Obertauen, Fischerhütte, Hüttenschlag, Bad Gastein und Mallnitz, wo die 2. Etappe enden wird. Da noch mit einigem Schnee in hohen Lagen zu rechnen ist, bin ich mal sehr gespannt, ob alles wie geplant zu begehen sein wird.

LG  aus Schladming, Euer Peter

 

EINTRAG oo4
Tag 006, Rasttag
Di., 31.05., Bad Mitterndorf, 11.30h

Gestern, Tag 005, stand ich vor dem Problem etwas von meiner Route abgekommen zu sein. Zu weit nach Osten! Was mache ich in Wörschach?? Von hier gibt es keinen Wanderweg nach Schladming und ich müsste viele Kilometer auf der stark befahrenen Bundesstraße dahinlatschen. Keine ermutigende Erkenntnis.

Ich entdeckte dann aber die Option, direkt hinter dem Haus Moser auf die Aichenkaralm zum Sinirboden zu wandern und dann von dort den schön gelegenen Spechtensee zu erreichen.
Nach gut 2 Stunden und 550 hm kam ich erstmals während der Tour in den Regen. Es machte mir aber nicht viel aus, da ich kurz darauf auf die Straße zum Ort Tauplitz traf. Dort wanderte ich stetig leicht bergab bis zur Bundesstraße Richtung Bad Mitterndorf.

Nach ca. einem Kilometer neben der Straße hatte ich die Nase voll! Kaum hatte ich den Daumen rausgestreckt, hielt auch schon ein Auto. Welch eine Überraschung – die Hüttenwirtin von der Hochmölbinghütte öffnete die Wagentüre und sagte auf gut Obersteirisch: „Kennscht mi nu, i bin die Wirtin, de di geschtern is Tol äbigschickt hät“. Ob ich ihr eh net böse bin und so. Und jetzt nimmt sie mich eh die 5 km nach Bad Mitterndorf mit.
Es soll kein falscher Eindruck entstehen – sie ist schon a recht a Nette!

image  Grimming

Morgen Früh kommt Christian, ein alter Freund und Reisekumpan von mir. Wir werden trotz angesagtem Schlechtwetter zur Viehbergalm aufsteigen. Am Freitag treffen wir uns dann mit unseren Damen in Schladming, wo meine erste Etappe beendet sein wird. Das werden dann ca. 165 gegangene Kilometer sein. Also habe ich dann „nur noch“ etwa 1545 km vor mir.

Ich mache mir wenige Gedanken ob und wie ich es schaffen werde. Besser ist es in kurzen Abschnitten zu planen und möglichst im Augenblick an zu kommen. Zur Zeit habe ich noch niemanden auf der Tour gesagt wie weit es gehen soll. Ich sage meistens nur: „Ah ja, bis Mallnitz  oder eventuell bis Matrei in Osttirol.“

Jetzt wird mal das Geschriebene gesichert und dann probiere ich nochmals die Fotos hoch zu laden!  Wünsch euch eine schöne Zeit –  und bis Schladming!!!

Peter

 

EINTRAG 003
Tag 005

Mo., 30.05, Bad Mitterndorf – Campingplatz, 18.00h

Liebe Freunde,
viele haben schon per SMS oder WhatsApp nachgefragt wie es läuft! Seit 5 Tagen bin ich nun unterwegs.
Regine, meine Lebenspartnerin, brachte mich nach Traun, wo ich am Donnerstag, 26.05.2016 um ca. 9.00h los ging.

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Der erste Tag brachte mich über Nettingsdorf entlang der Krems  nach Neuhofen, Piberbach, Neukematen bis Pfarrkirchen bei Bad Hall. In Summe ca. 26 km.

Unterbrochen wurde meine Wanderung von einer sehr netten Aktion:

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Elisabeth, eine gute Freundin der Familie, brachte mir ans Ufer der Krems eine Jause mit einem 1/8 Rotwein. Nach kurzer und angenehmer Rast ging es weiter durch das flache Voralpenland. Einige, von meinem NAVI vorgeschlagene Abkürzungen erwiesen sich als „Rohrkrepierer“. Meistens endeten die Wege vor einem Feld.  In der reservierten Unterkunft „Schnürerhof“ fand ich herzliche Aufnahme. Ein echter Geheimtipp für Leute die gerne mal ein paar Jahrzehnte zurückdrehen möchten.  Regine, Elisabeth und Ihre Freundin Wilma holten mich dann ab zum Abendessen in der Pizzeria Castello. Ein schöner Ausklang am ersten Tag der langen Wanderung.

Tag 2:
Von Pfarrkirchen über Weißenbach, Nußbach, Schlierbach, Kirchdorf bis nach Michldorf. Wieder ca. 26 km mit beginnenden Blasen rechts und links auf den Fußsohlen. Wie kann das sein? Bin so viele flache und großteils asphaltierte Kilometer doch nicht gewöhnt.
Einfachste Unterkunft südlich vom Georgenberg, auf dem ich bei wunderschöner Abendstimmung den Tag beendete.

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Tag 3:
Von Michldorf auf vielen Straßenkilometern bis Hinterstoder. Dieses mal waren es fast 27 km die mich über Klaus bis zum Gasthaus Steyrbrücke und am Flötzersteig entlang der Wilden Steyr bis nach Hinterstoder brachten. Die letzten 12 km wanderte ich gemeinsam mit meiner Familie . Mein Freund seit Kindestagen, Mike und seine Frau Manuela waren auch mit von der Partie.

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Tag 4:
Wohl der härteste bisher!
Am Sonntag morgen ging es bei blauen Himmel über die Bärenalm bis zur Türkenkarscharte (1741 m). Auch dieses Mal war ich in Begleitung unterwegs. Meine Freunde aus Windischgarsten, Klaus und Brigitte, begleiteten mich bis kurz nach der Scharte. Ein herzlicher Abschied und los ging es alleine in die schöne Bergwelt.

Meine Euphorie hielt nur eine schwache halbe Stunde. Dann verdunkelte sich der Himmel. Die ständigen Meldungen von heftigen Gewittern machten mir etwas Sorge.
Mein lieber Rucksack bremste mich bei dem Versuch, etwas mehr auf das Gaspedal zu treten. 17 bis 18 kg drückten mich bei jedem Schritt gefühlte 3 cm in den Bergboden.

Der Anstieg hinüber zur Hochmölbinghütte (1684 m), einige kleine Schneefelder in den Nordlagen und der ständig dunkler werdende Himmel ließen mich kurz an die Grenzen gehen.
Ich erreichte die Hütte nach gut 5 Stunden Gehzeit und musste feststellen, dass die Hüttenleut gerade zusperren um ins Tal ab zu steigen. Da sie mir keinen Schutz anbieten wollten, musste ich ebenfalls ins Ennstal hinunter. Gemeinsam mit zwei Linzern stieg ich wieder gut 1000 hm hinab nach Wörschach.

Wie der nächste Tag verlaufen ist, erzähle ich euch dann morgen.

Liebe Grüße
Peter

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EINTRAG 002
Mo., 23.05.2016,  Linz

Hallo Freunde,
das war natürlich noch kein echter Abschied! Der Rucksack ist aber schon gepackt und bis auf ein paar Kleinigkeiten ist auch alles organisiert!
Gearbeitet wird bis Mittwoch und am Donnerstag geht es dann endlich los von Traun bis Bad Hall.

Täglich gibt es nun schon Abschiede, von Freunden und Klienten, von Sponsoren und Verwandten. Bald auch von der Familie. Meine Lebenspartnerin Regine wird mich am Donnerstag in der ersten Unterkunft besuchen und 9 Tage später dann nochmals in Schladming. Jetzt erst wird uns bewusst, dass dies dann eine lange Trennung sein wird. Draußen ist das Wetter nass und kalt und die Schneemeldungen der letzten Tage machen meine Anfangswochenplanung etwas spannend.

Mein Körper sollte voll trainiert sein…….. die letzten zwei Wochen hatte ich aber nicht mehr viel Lust zu Wandern. Einzig mein rechter Fuß macht ein bisschen Probleme, glaube aber, das es psychosomatischen Ursprungs ist. Wenn ich dann auf Tour bin, wird sich das schon lösen.

Die nächste Eintragung wird es dann schon von meinem Trip nach Nizza geben. Bis bald!

Li-Ni01:002